Fernsehen besser verstehen

Was ist Audiodeskription

Von Faller Audio Redaktion | | 7 Min. Lesezeit
Symbol für Audio

Audiodeskription ist eine zusätzliche Tonspur, auf der eine Stimme beschreibt, was im Bild zu sehen ist. Sie läuft parallel zum Originalton und füllt die Pausen zwischen den Dialogen. Im deutschen Sprachraum ist dafür auch der Begriff „Hörfilm“ gebräuchlich.

Angeboten wird die Tonspur für blinde und sehbeeinträchtigte Zuschauer. Sie lässt sich am Fernseher zuschalten und ebenso wieder abschalten. Wer unerwartet eine beschreibende Stimme über seinem Film hört, hat sie meist versehentlich aktiviert.

Was ist Audiodeskription

Ein Film oder eine Serie erzählt die Handlung über Bild und Ton zugleich. Fehlt das Bild, fehlen Informationen, die kein Dialog ersetzen kann. Z.B. wer den Raum betritt, wo die Szene spielt, oder was für eine Mimik und Gestik gemacht wird. Genau diese Lücke füllt die Audiodeskription. Sie übersetzt das Sichtbare in gesprochene Sprache und macht die Handlung damit ohne Bild nachvollziehbar.

Eine zusätzliche Tonspur neben dem Original

Die Beschreibung ersetzt den Filmton nicht, sie ergänzt ihn. Auf der Tonspur mit Audiodeskription läuft der komplette Originalton weiter. In den Pausen zwischen den Dialogen kommt eine Sprecherstimme hinzu. Musik und Geräusche bleiben erhalten, weil sie selbst Teil der Erzählung sind.

Der ältere deutsche Begriff (der vielen noch etwas sagen dürfte) dafür ist Hörfilm. Er stammt aus einer Zeit, in der die Fassungen ausschließlich für Spielfilme produziert wurden, hat sich aber bis dato als Sammelbegriff gehalten. Daneben finden sich in Gerätemenüs auch die Bezeichnungen Audiobeschreibung, Bildbeschreibung oder das Kürzel AD.

Was beschrieben wird

Beschrieben wird, was für das Verständnis der Handlung nötig ist. Dazu gehören Schauplätze und Ortswechsel, wer gerade im Bild ist, Mimik und Gestik, sowie Handlungen, die ohne Worte ablaufen. Auch der Vorspann, Abspann und eingeblendete Texte werden vorgelesen, weil sie sonst verloren gingen.

Wie eine Audiodeskription entsteht

Hinter einer Tonspur steckt mehr Arbeit als das bloße Einsprechen von Text. Der Film wird Szene für Szene durchgegangen. Die Beschreibungen müssen dabei in die vorhandenen Lücken passen und dürfen den Ton nicht überlagern. Üblich ist Teamarbeit, bei der oftmals blinde und sehende Autoren gemeinsam am Manuskript arbeiten.

Manuskript und Dialoglücken

Zuerst wird ermittelt, wo überhaupt Platz ist. Die Pausen zwischen Dialogen sind oft nur Sekunden lang. In dichten Szenen fehlen sie ganz. Der Text muss in diese Lücken passen, ohne zu hetzen, weshalb jede Formulierung auf ihre Länge hin geprüft wird.

Die Beteiligung blinder Autoren ist dabei sehr entscheidend. Sie prüfen, ob eine Beschreibung ohne das Bild verständlich ist. Das lässt sich sehend nur schwer beurteilen.

Regeln

Für den deutschsprachigen Raum haben sich ARD, ZDF, ORF und SRF gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband sowie mehreren Produktionshäusern auf gemeinsame Grundsätze verständigt. Ein Kernsatz daraus lautet, dass eine Audiodeskription nicht erklärt, nicht bewertet und nicht interpretiert. Sie beschreibt, was zu sehen ist. Eine Figur wird also nicht als wütend bezeichnet, sondern es wird geschildert, was im Bild passiert, etwa geballte Fäuste oder ein abrupter Abgang.

Als Orientierung dienen vier Fragen: Wer, wo, was und wann. Sie werden in jeder Situation beantwortet, die für den Handlungsablauf wichtig ist. Auch die Perspektive bleibt außen vor, Formulierungen wie „Wir sehen“ oder „Die Kamera schwenkt“ kommen nicht vor.

Ebenso gilt, dass die Beschreibung der Handlung nicht vorgreift. Wer im Bild erst spät (z.B. als Täter) erkennbar wird, darf in der Tonspur nicht früher benannt werden. Die Beschreibungen liegen in den Dialogpausen, sollen aber möglichst zeitgleich zur Handlung stehen. Sprachlich sind kurze Sätze die Regel, die Tonalität richtet sich nach dem Genre.

Eine weitere Regularie betrifft den Filmton selbst. Handlungsrelevante Geräusche dürfen nicht übersprochen werden und die Filmmusik muss als Gestaltungsmittel hörbar bleiben. Dass aus diesen Anforderungen eine eigene eigene Disziplin geworden ist, zeigt der Deutsche Hörfilmpreis, der jährlich für gelungene Fassungen vergeben wird.

Aufnahme und Tonmischung

Steht das Manuskript, wird es im Studio eingesprochen. Die Sprechweise richtet sich nach dem Genre. Ein Krimi z.B. klingt anders als eine Dokumentation. Anschließend wird die Beschreibung mit dem Originalton zusammengeführt, sodass beides in einem ausgewogenen Verhältnis steht. Dabei wird der Filmton unter der Sprecherstimme abgesenkt und danach wieder angehoben. In der Fachsprache heißt dieser Wert Dip Value, gemessen in Dezibel. Wie stark abgesenkt wird, hängt von der Szene ab. Laute Passagen mit Musik oder Action brauchen mehr Absenkung als eine ruhige Szene mit leiser Atmosphäre.

Wie die Tonspur zum Fernseher kommt

Damit die Beschreibung beim Zuschauer ankommt, muss sie parallel zum normalen Ton gesendet werden. Beim digitalen Fernsehen geschieht das über einen zweiten Tonkanal, den allerdings nicht jede Sendung hat.

Ein zweiter Tonkanal im Sendesignal

Im Sendesignal liegen zwei Tonspuren nebeneinander. Auf der ersten läuft der gewohnte Filmton, auf der zweiten die Mischung aus Filmton und Bildbeschreibung. Der Fernseher spielt standardmäßig die erste ab, die zweite lässt sich im Menü auswählen.

Dieselbe Logik gilt für Kabel, Satellit und Antenne. In den Mediatheken der Sender und bei Streamingdiensten läuft es etwas anders. Dort wird die Fassung mit Audiodeskription meist als eigene Tonspur im Abspielfenster angeboten.

Erkennbar ist das Angebot meist schon vorab. In der Programmvorschau und in den Mediatheken tragen entsprechende Sendungen einen Hinweis, häufig das Kürzel AD oder den Zusatz Hörfilm. Fehlt der Hinweis, gibt es für diese Sendung auch keine zweite Tonspur.

Wo es Audiodeskription gibt

Im deutschsprachigen Fernsehen kommt das Angebot vor allem von den öffentlich-rechtlichen Sendern, darunter ARD und ZDF sowie ORF und SRF. Der Umfang wächst, deckt aber längst nicht jede Sendung ab. Spielfilme, Serien und Dokumentationen sind häufiger versorgt als Live-Formate.

Über das Fernsehen hinaus gibt es Audiodeskription auch im Kino, im Theater und bei einzelnen Sportübertragungen. Im Theater wird live gesprochen, weil sich eine Aufführung nicht auf die Sekunde wiederholt. Bei Fußballspielen beschreiben eigens geschulte Reporter das Geschehen deutlich detaillierter als eine gewöhnliche Reportage, bis hin zu Choreografien auf den Rängen und Einblendungen auf der Anzeigetafel.

Audiodeskription ein- und ausschalten

Die Tonspur ist kein fester Bestandteil des Programms, sondern eine Einstellung am Gerät. Wer sie nutzen möchte, schaltet sie aktiv an.

Über die Taste an der Fernbedienung

Viele Fernbedienungen haben eine Taste für die Tonspur. Sie trägt Beschriftungen wie Audio, Ton, AD oder AD und SUBT in Kombination, manchmal auch nur ein Symbol. Einmal draufgedrückt öffnet die Auswahl der verfügbaren Tonspuren, in der sich zwischen Originalton und Fassung mit Bildbeschreibung wechseln lässt.

Die Auswahl zeigt oft mehrere Einträge an, etwa die Originalsprache, eine zweite Sprachfassung und die Fassung mit Bildbeschreibung. Welche gerade läuft, blenden viele Geräte für einen Moment ein. Wer sich vertan hat, drückt die Taste erneut und wechselt zurück.

Über das Menü des Fernsehers

Fehlt die Taste, führt der Weg über die Einstellungen des TVs. Der passende Bereich heißt meist Barrierefreiheit oder bei manchen Geräten auch Audio, Audiosprache sowie Ton. Dort findet sich ein Schalter für Audiobeschreibung oder Ton für Sehgeschädigte, der sich dauerhaft auf „Aus“ stellen lässt.

Diese Einstellung gilt für alle Sender. Läuft die Beschreibung nur bei einzelnen Programmen, ist sie an dieser Stelle aktiv und wird lediglich dort hörbar, wo der Sender die zweite Tonspur überhaupt anbietet.

In Mediatheken und bei Streamingdiensten

Apps bringen ihre eigenen Einstellungen mit, die von denen des Fernsehers unabhängig sind. Meist liegt die Auswahl direkt im laufenden Video hinter dem Symbol für Ton oder Untertitel. In den App-Einstellungen taucht sie unter Bedienungshilfen oder Barrierefreiheit auf.

Untertitel, Klare Sprache und Audiodeskription

Die Sender bieten mehrere barrierefreie Zusatzangebote an, die leicht durcheinandergeraten. Diese lassen sich oft im selben Menübereich zuschalten obwohl sie verschiedene Zwecke verfolgen und sich an verschiedene Zielgruppen richten. Zwei davon arbeiten mit einer eigenen Tonspur, eines mit Text im Bild.

Angebot Ausgabe Format
Untertitel Gesprochenes und wichtige Geräusche als Text Einblendung im Bild
Klare Sprache Dialoge hervorgehoben, Hintergrund abgesenkt eigene Tonspur
Audiodeskription Beschreibung des Bildgeschehens in den Dialogpausen eigene Tonspur

Untertitel arbeiten mit Text, Klare Sprache verändert die Mischung des vorhandenen Tons. Die Audiodeskription fügt gesprochene Beschreibungen hinzu.

Häufige Verwechselung

Viele Fernseher können zusätzlich ihre eigenen Menüs vorlesen. Diese Funktion heißt oft Sprachführung oder Vorlesefunktion und gehört zum Gerät, nicht zum Programm. Sie sagt an, welcher Menüpunkt gerade ausgewählt ist. Filminhalte beschreibt sie nicht.

Wer die Vorlesefunktion abschaltet und weiterhin eine Stimme hört, die das Bild beschreibt, hat den falschen Schalter erwischt. Dann ist die Audiodeskription noch aktiv und muss getrennt davon abgeschaltet werden.

Häufig gestellte Fragen

Audiodeskription ist eine zusätzliche Tonspur zu Filmen, Serien und anderen Sendungen. Auf ihr beschreibt eine Sprecherstimme in den Pausen zwischen den Dialogen, was im Bild geschieht. Der Originalton läuft dabei vollständig weiter. Wer im Gerätemenü sucht, findet die Funktion je nach Modell unter Hörfilm, Audiobeschreibung oder schlicht unter AD.

Dann ist am Fernseher die zweite Tonspur ausgewählt. Häufig passiert das durch einen versehentlichen Tastendruck auf der Fernbedienung. Auch nach einem Sendersuchlauf, einem Zurücksetzen oder einem Software-Update kann die Einstellung wechseln. Abstellen lässt sie sich über die Tonspur-Taste oder im Menü unter Barrierefreiheit.

Nein, das sind zwei getrennte Funktionen. Die Vorlesefunktion gehört zum Gerät und liest die Menüs vor, etwa den gerade ausgewählten Einstellungspunkt. Die Audiodeskription kommt vom Sender und beschreibt den Inhalt der Sendung. Wer die eine abschaltet, hört die andere weiterhin.

Getragen wird das Angebot überwiegend von den öffentlich-rechtlichen Programmen. Flächendeckend ist es allerdings nicht, der Umfang schwankt von Sender zu Sender und von Sendung zu Sendung. Ob eine bestimmte Sendung eine Hörfilmfassung hat, steht meist in der Programmvorschau oder in der Mediathek beim jeweiligen Beitrag.

Ja, allerdings anders übertragen als im Fernsehen. Im Kino läuft die Beschreibung nicht über die Saallautsprecher, sondern über Kopfhörer am eigenen Smartphone, das sich mit dem Filmton synchronisiert. Im Theater wird meist live gesprochen und per Funk an Empfänger im Zuschauerraum übertragen.