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Was ist Dolby Atmos?
Dolby Atmos ist ein Tonformat, das klassischen Mehrkanalton um eine Höhenebene und frei positionierbare Audioobjekte erweitert. Neben festen Kanalgruppen können einzelne Klangelemente mit Positionsinformationen versehen werden. Das Wiedergabegerät berechnet daraus, wie der Ton über die vorhandenen Lautsprecher ausgegeben wird.
Man findet die Bezeichnung mittlerweile auf vielen Fernsehern, Soundbars, Kopfhörern und sogar auf Smartphones. Wie Dolby Atmos dort wiedergegeben wird, unterscheidet sich allerdings deutlich. Ob und wie stark der räumliche Effekt wahrnehmbar ist, hängt von Lautsprechern, Signalverarbeitung und Wiedergabeumgebung ab.
Was ist Dolby Atmos?
Ältere Surround-Formate wie Dolby Digital arbeiten mit festen Kanälen. Bei einem 5.1-System gibt es davon z.B. sechs. Jedes Geräusch wird beim Mischen einem dieser Kanäle zugewiesen. Dolby Atmos baut auf diesem Prinzip auf und erweitert es in zwei Aspekten.
Kanalgruppen und Objekte nebeneinander
Dolby beschreibt sein Format als Kombination aus zwei Bestandteilen. Den Grundstock bilden feste Kanalgruppen, im Fachjargon auch Beds genannt. Diese existieren üblicherweise in einer 7.1.2-Anordnung. Dort fungiert dann alles, was sich nicht bewegen muss, also etwa Hintergrundatmosphäre oder Musik.
Ergänzt wird dies um die Audioobjekte. Das sind einzelne Klangelemente, die man unabhängig von den Kanalgruppen im Raum platzieren kann. Sie tragen Positionsdaten in Form von Koordinaten mit sich, inkl. Angaben zur Größe des Objekts. Ein Flugzeug, das durch das Bild fliegt, ist ein typisches Beispiel für ein solches Objekt.
Beim Abspielen übernimmt ein sogenannter Renderer die Arbeit. Er passt die Wiedergabe an die vorhandene Lautsprecherkonfiguration an. Eine Atmos-Tonspur kann deshalb auf unterschiedlich ausgestatteten Systemen wiedergegeben werden, wobei sich die räumliche Wirkung je nach Anzahl und Anordnung der Lautsprecher deutlich unterscheidet.
Die Ebene über dem Kopf
Der zweite Unterschied ist die Höhe. Klassischer Surround-Sound verteilt den Klang dabei nach vorne, hinten und an die Seiten. Also um den Zuhörer herum. Dolby Atmos ergänzt nun zusätzlich Kanäle über dem Kopf, sodass eine weitere, dritte Ebene dazukommt.
Erkennbar ist das an Angaben mit den drei Zahlen. Bei 5.1.2 stehen die fünf für die Lautsprecher rundherum, die eins für den Subwoofer und die zwei für die Höhenkanäle. Bei 7.1.4 sind es entsprechend sieben, einer und vier.
| Merkmal | Klassischer 5.1- oder 7.1-Ton | Dolby Atmos |
|---|---|---|
| Grundprinzip | Ton wird festen Kanälen zugeordnet | Kombination aus Kanal-Beds und Audioobjekten |
| Positionierung | an die Kanalstruktur gebunden | Objekte können über Positionsmetadaten im Raum platziert werden |
| Höhenebene | bei klassischem 5.1 oder 7.1 nicht vorgesehen | zusätzliche Höhenebene möglich |
| Wiedergabe | für definierte Kanalbelegung gemischt | Renderer passt Objekte an die vorhandene Wiedergabe an |
Dolby Atmos ersetzt klassische Kanäle also nicht, sondern ergänzt sie um Audioobjekte und Positionsinformationen, die das Wiedergabegerät passend zur eingestellten Lautsprecherkonfiguration verarbeitet.
Wiedergabe im Wohnzimmer
Für die Höhenebene gibt es drei unterschiedliche Möglichkeiten. Sie unterscheiden sich vor allem im technischen Aufwand und darin, wie präzise der Ton über dem Hörplatz wahrgenommen wird. Wie gut der Effekt funktioniert, hängt dabei stark von der jeweiligen Raum- und Deckensituation ab.
- Deckenlautsprecher sitzen in oder an der Decke und strahlen direkt nach unten. Das schafft zwar die genaueste Ortung, bedingt aber einen AV-Receiver und Kabel in der Decke.
- Nach oben gerichtete Lautsprecher werfen den Schall über die Decke zum Hörplatz zurück. Man findet sie als eigene Boxen oder eingebaut in Soundbars.
- Virtuelle Verfahren kommen in Soundbars ohne eigene Höhenlautsprecher zum Einsatz. Je nach Bauweise arbeiten dabei mehrere Lautsprecher und psychoakustische Verfahren zusammen.
Grenzen der Reflexion
Nach oben gerichtete Lautsprecher funktionieren dann besonders gut, wenn eine möglichst glatte und ausreichend reflektierende Decke in geeigneter Höhe vorhanden ist. Sehr hohe, stark absorbierende oder schräge Decken können die Höhenwirkung abschwächen, weil die Reflexion den Hörplatz weniger gezielt erreicht.
Bei Kopfhörern funktioniert das Prinzip grundlegend anders. Dort wird räumlicher Klang binaural für zwei Ohren berechnet. Dabei werden akustische Richtungshinweise nachgebildet, sodass der Schall räumlich wahrgenommen werden kann, obwohl er physisch nur aus dem Kopfhörer kommt.
Aussagekraft der Kennzeichnung
Die Dolby-Atmos-Kennzeichnung zeigt an, dass ein Gerät das Format auch unterstützt. Wie ausgeprägt die räumliche und insbesondere die Höhenwirkung dann in der Praxis ist, hängt stark von der Systemlandschaft, den Lautsprechern, der Signalverarbeitung und dem Raum ab.
Der Weg zum Fernseher
Damit eine Atmos-Tonspur funktioniert, müssen mehrere Dinge zusammenpassen. Es reicht dabei nicht aus, dass der Fernseher das Format kennt. Wichtig ist zudem die Quelle und die Verbindung zum Audiogerät.
Quelle und Tonspur
Der Inhalt selbst muss in Dolby Atmos vorliegen. Das ist bei vielen Streamingdiensten und auf 4K-Elementen der Fall, aber längst nicht bei allen anderen. Ältere Filme und normale Fernsehsendungen liegen in der Regel nicht in diesem Format vor. Bevor die Wiedergabekette aufgebaut wird, sollte deshalb geprüft werden, in welchem Tonformat der gewünschte Inhalt tatsächlich vorliegt.
Zu beachten ist dabei, dass die Angabe auf der Verpackung sich häufig auf die Originalfassung bezieht. Eine deutsche Tonspur kann in einem anderen Format vorliegen, auch wenn Dolby Atmos drauf steht.
Übertragung zum Audiogerät
Für die Verbindung zwischen Fernseher und Soundbar oder AV-Receiver ist HDMI der gängige Weg. Dolby Atmos kann z.B. komprimiert über Dolby Digital Plus übertragen werden. Bei geeigneten Geräten ist dies aber auch über HDMI ARC möglich. Für hochbitratige und verlustfreie Formate wie Dolby TrueHD mit Dolby Atmos ist HDMI eARC die passende Verbindung.
Der optische Ausgang scheidet für diesen Zweck aus. Er wurde für Stereo und komprimierten Mehrkanalton ausgelegt und hat für die hier genannten Formate zu wenig Kapazität. Wer eine Atmos-Kette aufbaut, verbindet Fernseher und Audiogerät deshalb per HDMI.
Bedeutung für Dialoge
Bleibt die Frage, was das Format für die Verständlichkeit von Sprache bringt. Die Antwort fällt dabei zweigeteilt aus. Technisch eröffnet objektbasiertes Audio theoretisch einige Möglichkeiten. In der Praxis hängt aber viel davon ab, wie ein Film oder eine Serie produziert wurde.
Möglichkeiten objektbasierter Übertragung
Objektbasiertes Audio bietet grundsätzlich die technische Möglichkeit, einzelne Bestandteile einer Mischung getrennt zu behandeln. Liegt die Sprache als eigener Bestandteil vor und unterstützt das Wiedergabesystem eine entsprechende Personalisierung, kann der Dialogpegel unabhängig von Musik und Effekten angepasst werden.
Grenzen des Formats
Das bedeutet nicht, dass Dolby Atmos automatisch eine regelbare Dialogspur bietet. Ob Dialoge separat angepasst werden können, hängt davon ab, wie der Inhalt produziert und übertragen wurde und welche Funktionen das Wiedergabegerät bereitstellt.
Entscheidend für die Verständlichkeit bleibt zudem das Verhältnis zwischen Sprache und übrigem Ton. Dieses Verhältnis legt die Mischung fest. Daran ändert das Wiedergabeformat nichts. Ein Film mit leise gemischten Dialogen bleibt auch in Dolby Atmos leise gemischt.
Über eingebaute Fernsehlautsprecher kann Dolby Atmos je nach Gerät virtuell aufbereitet werden. Die räumliche Wirkung unterscheidet sich allerdings deutlich von einem System mit getrennten Surround- und Höhenlautsprechern.
Häufig gestellte Fragen
Dolby Atmos ist ein immersives Tonformat. Es kombiniert feste Kanalgruppen, sogenannte Beds, mit einzelnen Audioobjekten, die über Positionsdaten frei im Raum angeordnet werden können. Dazu kommt eine Höhenebene, sodass Ton auch von oben kommen kann. Ein Renderer im Abspielgerät verteilt das Ergebnis auf die vorhandenen Lautsprecher.
Die erste Zahl nennt die Lautsprecher rund um den Hörplatz, die zweite den Subwoofer und die dritte die Höhenkanäle. Bei 5.1.2 sind das also fünf Lautsprecher, ein Subwoofer und zwei Kanäle für den Ton von oben. Die dritte Zahl kennzeichnet die Höhenkanäle, wie sie typischerweise bei immersiven Setups mit Dolby Atmos vorkommen.
Zwingend nötig ist eARC nicht. Dolby Atmos kann beispielsweise auch komprimiert über Dolby Digital Plus übertragen werden, was bei kompatiblen Geräten auch über HDMI ARC möglich ist. HDMI eARC wird vor allem dann wichtig, wenn hochbitratige oder verlustfreie Atmos-Tonspuren wie Dolby TrueHD übertragen werden sollen. Entscheidend ist außerdem, dass Fernseher und Audiogerät das jeweilige Format unterstützen.
Weil die Kennzeichnung zunächst nur zeigt, dass ein Gerät das Format unterstützt. Manche Geräte geben es über eigene Höhenlautsprecher wieder, andere erzeugen die Höhenwirkung über virtuelle Signalverarbeitung. Bei Kopfhörern geschieht das binaural, also über eine Berechnung für zwei Ohren.
Ein Einfluss besteht allenfalls mittelbar. Objektbasiertes Audio bietet grundsätzlich die Möglichkeit, Sprache getrennt zu behandeln, sofern sie als eigener Bestandteil vorliegt und das Wiedergabegerät das unterstützt. Wie laut Dialoge im Verhältnis zum Rest liegen, entscheidet aber die Mischung des Films und nicht das Wiedergabeformat.