Fernsehen besser verstehen

Zimmerlautstärke im Wohnalltag

Von Faller Audio Redaktion | | 7 Min. Lesezeit
Lautstärkeregler

Zimmerlautstärke meint eine Lautstärke, von der außerhalb der eigenen Wohnung kaum noch etwas zu hören ist. Der eigentliche Maßstab liegt damit beim Nachbarn. Was er hört, hängt von vielen Aspekten ab, etwa von der Bauweise des Hauses, von der Tageszeit und davon, welche Geräusche gerade entstehen.

Für die Zimmerlautstärke am Fernseher gibt es keine feste Zahl oder Einheit. Dezibelangaben geben eine grobe Orientierung, gelten aber nicht für jede Wohnsituation gleichermaßen. Auch die Anzeige auf der Fernbedienung hilft nur bedingt weiter, denn die Werte zweier Geräte lassen sich nicht vergleichen.

Die Bedeutung von Zimmerlautstärke

Der Begriff der Zimmerlautstärke ist ein Wort aus dem Zusammenleben, nicht aus der Technik. Er beschreibt keine Einstellung, sondern das, was jenseits der eigenen vier Wände noch zu hören ist. Eine Zahl auf der Fernbedienung gibt ihn darum nicht wieder.

Ein Ergebnis im Nachbarraum

Maßgeblich ist dabei der Raum, in dem der Schall ankommt, während es im eigenen Wohnzimmer entsprechend lauter sein darf, solange Wände, Decke und Türen genug davon schlucken. Genau das erklärt, warum derselbe Fernseher bei gleicher Einstellung in dem einen Haus unauffällig läuft und im anderen ein Dauerthema ist. Und es erklärt, warum man die eigene Lautstärke vom Sofa aus schlecht beurteilen kann.

Völlige Stille ist damit aber nicht gemeint. Ein Restgeräusch aus der Nachbarwohnung gehört nun einmal zum Wohnen dazu, gerade in hellhörigen Häusern. Die Grenze verläuft dort, wo aus einem Hintergrundgeräusch etwas wird, das man deutlich mitbekommt.

Die fehlende feste Dezibelzahl

Einen amtlich festgelegten Wert für Zimmerlautstärke gibt es nicht. Weit verbreitet sind trotzdem die Angaben von rund 40 Dezibel tagsüber und rund 30 Dezibel nachts, jeweils gemessen beim Nachbarn. Sie stammen aus einzelnen Gerichtsentscheidungen und aus Richtwerten, die eigentlich für andere Zwecke gedacht sind, weshalb sie als Anhaltspunkt dienen, als allgemein gültige Obergrenze dagegen nicht. Bauweise und Entfernung verschieben das Ergebnis ohnehin erheblich.

Als typische Nachtruhe gilt im Alltag die Zeit ab 22 Uhr. Bundesweit einheitlich geregelt ist das aber nicht, weil die Vorgaben von Ländern und Kommunen kommen und in vielen Häusern zusätzlich durch die Hausordnung ergänzt werden, sodass sich die Zeiten von Ort zu Ort unterscheiden können.

Zimmerlautstärke in Dezibel

Dezibel ist zunächst einmal die Einheit für den Schalldruckpegel. Die Skala fasst einen sehr großen Druckbereich in handliche Zahlen, weshalb zwischen einem stillen Zimmer und einer belebten Straße nur rund 40 Punkte liegen. Messgeräte gewichten die Frequenzen dabei ähnlich wie das Ohr, weshalb Angaben häufig als dB(A) auftauchen.

Dezibel im Alltag

Greifbar werden die Zahlen dann erst im Vergleich. Die folgenden Werte gelten für übliche Abstände zur Geräuschquelle. Überraschenderweise taucht der Fernseher hier nicht auf. Für ihn gibt es schlichtweg keinen festen Pegel.

Geräusch Ungefährer Pegel
Sehr ruhiges Zimmer 20 bis 30 dB
Nahes Flüstern, ruhige Wohnstraße etwa 40 dB
Sprechender Mensch, normale Unterhaltung 40 bis 60 dB
Pkw in einigen Metern Abstand 60 bis 80 dB

Als Faustregel wirkt eine Zunahme um rund 10 Dezibel etwa doppelt so laut. Kleine Änderungen am Regler machen darum mehr aus, als die reine Zahl vermuten lässt.

Zwei Zahlen, die beide stimmen

An dieser Stelle stolpern dann viele. Ein Fernseher im Wohnzimmer bewegt sich oft im Bereich einer normalen Unterhaltung oder etwas darüber. Gleichzeitig sollen beim Nachbarn nur 30 bis 40 Dezibel ankommen. Doch was heißt das jetzt konkret?

Der höhere Wert beschreibt den Pegel im Wohnzimmer selbst, dort also, wo das Gerät steht. Der niedrigere beschreibt, was davon hinter der Hauswand übrig bleibt. Dazwischen liegt dann die Dämmung des Hauses. Sie fällt von Gebäude zu Gebäude oft sehr unterschiedlich aus.

Die Zahl auf der Fernbedienung

Fernseher zeigen die Lautstärke ja als Wert zwischen 0 und 100 an. Dieser Wert hat keine feste Beziehung zu Dezibel und beschreibt nur die Stellung des Reglers im Gerät. Derselbe Wert bedeutet an zwei Fernsehern unterschiedliche Pegel.

Verschoben wird die Skala außerdem durch die Tonquelle, durch den Klangmodus und erst recht durch eine angeschlossene Soundbar. Vergleichbar sind zwei Geräte also ohnehin nicht. Eine Absprache wie „nie über 20″ bringt deshalb wenig. Verlässlicher ist die Gegenprobe im Nachbarzimmer oder vor der Wohnungstür.

Der Weg des Fernsehtons nach nebenan

Nicht der gesamte Fernsehton geht gleich gut durch Räume und Wände. Dazu muss man verstehen, welche Töne es tatsächlich schaffen, laut durch Wände zu gehen. Erst danach lässt sich einschätzen, an welcher Stelle das Zurückdrehen überhaupt etwas bringt.

Tiefe Töne gehen zuerst durch

Tiefe Töne sind oft schwieriger abzuschirmen als höhere Frequenzen. Deshalb hört man in der Nachbarwohnung häufig eher Bass, Filmmusik oder dumpfe Effekte, während einzelne Wörter kaum noch verständlich sind. Wie stark das auffällt, hängt allerdings stark von der Bauweise des Hauses und den Wänden zwischen den Räumen ab.

Ein Teil davon läuft nicht durch die Luft, sondern als Körperschall über den Boden. Steht ein Lautsprecher oder ein Subwoofer fest auf einem Möbel oder direkt auf dem Boden, überträgt er Vibrationen in die Bausubstanz. Den Basspegel etwas zurückzunehmen bringt in solchen Fällen mehr als jede andere Maßnahme.

Bauweise und Aufstellung

Wie viel vom Fernsehton tatsächlich noch beim Nachbarn ankommt, hängt stark vom Gebäude ab. Massive Wände und gut gedämmte Decken halten meist mehr Schall zurück als leichte Trennwände oder undichte Türen. In hellhörigen Häusern muss die Lautstärke deshalb oft stärker reduziert werden, damit außerhalb der eigenen Wohnung möglichst wenig davon zu hören ist.

Auch wenn man vieles nicht beeinflussen kann, so hat man die Positionierung des Fernsehers oder externer Geräte in der eigenen Hand. Strahlt der Ton direkt gegen die Nachbarwand, trägt er weiter als bei einer Ausrichtung in den Raum hinein, sodass schon ein Umstellen des Geräts hilfreich sein kann. Eine weiche Unterlage unter dem Gerät und ein paar Zentimeter Abstand zur Wand verringern die Übertragung, ohne dass man dafür leiser hören muss. Teppich, Vorhänge und gefüllte Regale schlucken zusätzlich Reflexionen im eigenen Raum.

Die eigene Lautstärke einschätzen

Wie laut der Fernseher über die Zeit tatsächlich geworden ist, fällt einem selbst oft gar nicht so schnell auf. Gerade kleine Änderungen am Regler gehen im Alltag leicht unter, während andere im Haushalt oder die Nachbarn sie eher bemerken.

Für eine schnelle Einschätzung hilft deshalb eine einfache Gegenprobe. Den Fernseher laufen lassen und kurz ins angrenzende Zimmer oder vor die Wohnungstür gehen. Ist der Ton dort noch deutlich zu hören, lohnt es sich, die Lautstärke noch einmal etwas zurückzunehmen.

Rücksicht im Zusammenleben

Eine häufige Beobachtung ist, dass Geräusche aus der Nachbarwohnung vor allem dann stören, wenn sie über längere Zeit immer wieder wahrnehmbar sind. Beim Fernseher kann das besonders am Abend auffallen, wenn Musik, Effekte oder einzelne Tonspitzen regelmäßig durch Wände und Decken dringen. Um die Lautstärke geht es dabei nicht allein.

Schlechtes Verstehen als Ursache

Ein Grund für einen dauerhaft lauten Fernseher kann sein, dass Dialoge schlecht zu verstehen sind. Wer in dieser Situation am Regler dreht, macht die ganze Wohnung lauter, ohne für sich selbst viel zu gewinnen. Für die Nachbarn ändert sich dadurch spürbar etwas, für das eigene Verstehen dagegen wenig.

Ein anderer Weg führt über Geräte, die den Ton direkt am Sitzplatz ausgeben, etwa ein TV-Sprachverstärker wie OSKAR. Der Raum bleibt dabei auf einer Lautstärke, mit der alle anderen leben können. Was nach nebenan dringt, richtet sich dann nicht mehr nach der Person, die am schlechtesten hört.

Bevor zusätzliche Technik zum Einsatz kommt, lohnt sich aber auch ein Blick ins Tonmenü. Je nach Fernseher lassen sich die Mitten anheben, ein Sprachmodus aktivieren oder sprachbetonte Tonspuren auswählen. Auch ein kürzerer Abstand zum Lautsprecher kann helfen, die Raumlautstärke insgesamt niedriger zu halten.

Unterschiedliche Bedürfnisse im Haushalt

Bei der Lautstärke gehen die Bedürfnisse im selben Haushalt oft auseinander. Der eine möchte den Fernseher etwas lauter stellen, dem anderen ist es schnell zu viel. Dann wird während des Fernsehens immer wieder nachgeregelt, ohne dass sich für beide eine wirklich gute Einstellung findet.

Weitere Möglichkeiten im Alltag

Zusätzlich gibt es einige einfache Maßnahmen, mit denen sich die Lautstärke im Raum oft noch etwas reduzieren lässt.

  • Näher am Fernseher sitzen, damit Sprache auch bei geringerer Lautstärke gut verständlich bleibt.
  • Den Nachtmodus oder die Dynamikbegrenzung einschalten, damit besonders laute Stellen weniger stark hervorstechen.
  • Den Bass etwas zurücknehmen, wenn vor allem tiefe Töne in angrenzenden Räumen auffallen.
  • Bei Bedarf Untertitel nutzen, wenn abends besonders leise ferngesehen werden soll.
  • Frühzeitig mit den Nachbarn sprechen, wenn die Lautstärke immer wieder zum Thema wird.

Ob ein Geräusch als störend empfunden wird, hängt nicht nur von der Lautstärke ab. Auch Dauer, Tageszeit und die Art des Tons spielen eine Rolle. Oft hilft deshalb eine Kombination aus passenden Einstellungen, etwas geringerer Raumlautstärke und einer einfachen Absprache.

Häufig gestellte Fragen

Verbreitet sind als Orientierung rund 40 Dezibel am Tag und rund 30 in der Nacht. Diese Werte beziehen sich auf den Nachbarraum, was beim Lesen solcher Angaben leicht untergeht. Im eigenen Wohnzimmer liegt der Schallpegel dabei um ein Vielfaches höher, ohne dass daraus eine Lärmbelästigung wird. Wer eine einzelne Zahl sucht, wird also zwangsläufig enttäuscht, weil Entfernung und Bauweise mit darüber entscheiden.

Eine allgemeingültige Zahl auf der Fernbedienung gibt es nicht, weil diese Skala sich zwischen Geräten, Tonquellen und Klangmodi unterscheidet. Statt auf die Einstellung schaut man deshalb besser auf das Ergebnis. Ist der Ton im angrenzenden Zimmer oder vor der Wohnungstür noch gut zu verstehen, ist er für Zimmerlautstärke zu hoch. Bei gedämpftem, undeutlichem Restgeräusch passt es meist. Diese Probe dauert eine Minute und ersetzt jedes Zahlenraten.

Als Orientierung gilt im Alltag die Zeit ab 22 Uhr, vielerorts zusätzlich der frühe Nachmittag sowie Sonn- und Feiertage. Verbindlich ist das nicht überall gleich, denn Hausordnungen und örtliche Regelungen unterscheiden sich. Tagsüber gilt ohnehin gegenseitige Rücksicht, gerade wenn im Haus Schichtarbeit oder kleine Kinder eine Rolle spielen. Ein Blick in die eigene Hausordnung schafft Klarheit.

Für eine grobe Einordnung reicht es, für verlässliche Werte nicht. Die eingebauten Mikrofone sind nicht kalibriert, weshalb die Werte je nach Gerät, App und Halteposition deutlich abweichen. Zwischen zwei Apps auf demselben Telefon liegen oft mehrere Dezibel. Brauchbar sind solche Apps als Vergleich zwischen zwei Situationen im selben Raum, etwa vor und nach dem Zurückdrehen. Als Nachweis in einer Auseinandersetzung taugen die Werte nicht.

Viele Bauteile dämmen hohe Frequenzen besser als tiefe. Von einer Filmszene bleiben deshalb häufig vor allem die tiefen Anteile übrig, während von den Stimmen wenig ankommt. Wahrgenommen wird dann ein dumpfes Wummern ohne erkennbaren Inhalt, was viele als besonders störend empfinden. Wie stark das ausfällt, hängt allerdings von der Bauweise ab. Wer den Basspegel senkt oder das Gerät vom Boden entkoppelt, erreicht damit oft mehr als durch leiseres Hören insgesamt.