TV Hörlösungen für den Fernseher

Was ist ein Nackenlautsprecher

Von Faller Audio Redaktion | | 5 Min. Lesezeit
Klangwelle als Symbol für Sound

Manche Hörlösungen sitzen auf dem Ohr, andere im Ohr und andere weiter weg vom Ohr. Ein Nackenlautsprecher macht es anders. Er liegt wie ein offener Bügel auf den Schultern. Seine Lautsprecher zeigen nach oben in Richtung Ohren, das Ohr selbst bleibt frei.

Der Ton kommt nah an den Kopf, ohne dass etwas drückt. Gespräche im Raum bleiben dabei möglich. Die offene Bauweise bringt aber auch mit sich, dass andere im Raum einen Teil des Tons hören und doch nicht mit hören können.

Was ist ein Nackenlautsprecher

Die Gerätekategorie ist neuer, jünger als Kopfhörer oder Soundbar und hat oft mehrere Synonyme. Nackenlautsprecher und Nackenbügel-Lautsprecher beschreiben die Bauform dabei am genauesten. Umgangssprachlich wird teilweise auch von Nackenkopfhörern gesprochen, obwohl das Ohr bei dieser Bauform frei bleibt.

Die Bauform auf den Schultern

Ein Nackenlautsprecher besteht aus einem gebogenen Bügel, der hinten am Hals anliegt und vorne auf dem Schlüsselbein aufliegt. In den beiden vorderen Enden sitzen kleine Lautsprecher, die nach oben abstrahlen. Der Abstand zum Ohr beträgt damit nur wenige Zentimeter.

Getragen wird das Gerät wie ein offener Kragen. Es berührt weder Kopf noch Ohren. Das Gewicht ruht allein auf den Schultern. Die Bedienung läuft meist über Tasten am Bügel, sodass Lautstärke und Wiedergabe ohne Blick auf ein Display erreichbar sind.

Die Ohren bleiben frei

Der entscheidende Unterschied zu einem Kopfhörer liegt darin, dass nichts abgedichtet wird. Der Schall legt den kurzen Weg durch die Luft zum Ohr zurück, statt ins Ohr geleitet zu werden. Dadurch bleibt der Gehörgang offen. Geräusche aus der Umgebung kommen ungehindert an. Ein Gespräch, die Türklingel oder das Telefon gehen nicht unter, weil das Ohr nichts abschirmt.

Der Unterschied zu Kopfhörer und Lautsprecher

Ein Nackenlautsprecher liegt zwischen den zwei bekanntesten Kategorien, wenn es darum geht den TV Sound zu verbessern: Kopfhörer und externe TV Lautsprecher oder Soundbars.

Vergleich mit Over-Ear und In-Ear

Ein Over-Ear-Kopfhörer umschließt die Ohrmuschel mit Polstern, ein In-Ear-Kopfhörer sitzt im Gehörgang. Beide dichten mehr oder weniger stark ab und schirmen dadurch Umgebungsgeräusche ab. Beide üben aber auch Druck aus, der nach längerer Zeit unangenehm werden kann. Unter den Polstern wird es zudem mitunter sehr warm.

Der Nackenlautsprecher hat keine dieser beiden Eigenschaften. Es gibt keine Druckstellen an Schläfen oder Ohren, was besonders für Brillenträger einen Unterschied macht, weil die Bügel der Brille nicht eingeklemmt werden. Dafür fällt die Abschirmung weg. Der Klang wirkt weniger dicht als unter geschlossenen Polstern.

Gegenüber einem Lautsprecher im Raum

Eine Soundbar oder ein TV-Lautsprecher beschallt den ganzen Raum. Wer weiter weg sitzt, braucht mehr Lautstärke. Alle im Raum hören dabei dasselbe Pegelniveau. Der Nackenlautsprecher verkürzt den Weg auf wenige Zentimeter. Häufig reicht dadurch eine geringere Lautstärke als beim Fernseher oder Lautsprecher im Raum, weil weniger Schall den Raum überbrücken muss. Andere im Zimmer hören oftmals mit, ohne wirklich etwas zu verstehen oder dem Film auditiv folgen zu können.

Merkmal Nackenlautsprecher Kopfhörer Lautsprecher im Raum
Kontakt mit dem Ohr kein Kontakt auf oder im Ohr kein Kontakt
Abstand zum Ohr wenige Zentimeter direkt am Ohr mehrere Meter
Umgebung hörbar ja eingeschränkt ja
Andere hören mit teilweise kaum ja
Eigene Lautstärke wählbar ja ja nein

Der Nackenlautsprecher liegt zwischen beiden Welten. Er erlaubt eine eigene Lautstärke wie ein Kopfhörer, lässt die Ohren aber frei.

Nutzung im Alltag

Drei Eigenschaften entscheiden oft darüber, ob ein Nackenlautsprecher als Alternative in Frage kommt oder nicht. Diese Eigenschaften hängen unmittelbar mit der offenen Bauweise zusammen und lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten. Jede bringt einen Vorteil und eine Kehrseite mit sich.

Tragekomfort und Gewicht

Weil das Gerät auf den Schultern sitzt, fällt sein Gewicht stärker ins Augenmerk als bei einem Kopfhörer, der sich über den Kopf verteilt. Leichte Modelle liegen im Bereich von 100 oder 200 Gramm, schwere mitunter deutlich darüber. Diese machen sich nach einem langen Fernsehabend deutlich bemerkbar. Wichtigstes Merkmal neben dem Gewicht: Ein flexibler Bügel, der sich an unterschiedliche Halsformen anpasst, ist wichtiger als jedes andere Ausstattungsmerkmal.

Klang und Bass

Die kleinen Gehäuse setzen dem Tiefton physikalische Grenzen. Je nach Modell können tiefe Frequenzen zusätzlich als leichte Vibration auf den Schultern wahrnehmbar sein, weil das Gehäuse direkt aufliegt. Für Sprache ist dieser Effekt weniger entscheidend als die Nähe zum Ohr, die den Anteil an Direktschall erhöht.

Mithören oder doch nicht mithören

Das ist die ehrlichste Einschränkung und sie muss klar benannt werden. Weil nichts abgedichtet ist, entweicht ein Teil des Schalls in den Raum. Wer mit im Raum sitzt, hört teilweise mit, ohne etwas zu verstehen. Für gemeinsames Fernsehen ist der Nackenlautsprecher nicht die beste Wahl. Für Menschen, die alleine Fernsehen und Kopfhörer nicht gut tragen können, kann ein Nackenlautsprecher eine Option sein.

Nackenlautsprecher beim Fernsehen

Der Fernseher ist der Einsatzort, an dem der Nackenlautsprecher am häufigsten zum Einsatz kommt. Die Verbindung mit dem Fernseher ist unkompliziert.

Verbindung mit dem Fernseher

Manche Modelle koppeln sich direkt per Bluetooth mit dem Fernseher, sofern die Funktion im TV-Gerät verfügbar ist. Andere Modelle haben eine Basisstation, die am optischen Ausgang oder am Kopfhöreranschluss hängt und den Ton per Funk weitergibt.

Zu beachten ist in beiden Fällen die Verzögerung zwischen Bild und Ton. Über Bluetooth kann je nach Fernseher, Sender und Codec ein sichtbarer Versatz zu den Lippenbewegungen entstehen. Latenzarme Übertragungen oder Funkstrecken über eine eigene Basisstation sind beim Fernsehen deshalb oft von Vorteil.

Nackenlautsprecher im Wohnzimmer

Ein Nackenlautsprecher kann sinnvoll sein, wenn Kopfhörer nach kurzer Zeit drücken, oder wenn man beim Fernsehen ansprechbar bleiben möchte. Auch beim Wechsel zwischen Sofa und Küche bleibt der Ton dabei, ohne dass ein Kabel im Weg ist.

Weniger passend ist der Nackenlautsprecher, wenn im selben Raum jemand schläft, liest oder wenn zwei Personen gleichzeitig Fernsehen schauen wollen.

Wenn es um Dialoge geht

Nähe allein macht Sprache nicht automatisch deutlicher. Ein Nackenlautsprecher verkürzt den Weg zum Ohr und senkt damit den Einfluss von Nachhall und Raumgeräuschen, er verändert aber nicht die Tonmischung des Films. Bleiben Dialoge trotz kurzer Distanz undeutlich, liegt es meist am Verhältnis von Sprache zu Musik und Effekten.

Für diesen Fall gibt es Geräte, die zusätzlich in das Signal eingreifen und den Bereich der menschlichen Stimme hervorheben. Der TV-Sprachverstärker OSKAR arbeitet nach diesem Prinzip: Eine Basisstation am optischen Ausgang oder am Klinkenanschluss des Fernsehers überträgt den Ton kabellos an ein tragbares Gerät, das drei einstellbare Sprachfilter mitbringt. Der Fernseher kann dabei leiser laufen, weil der Ton am Hörplatz ankommt.

Häufig gestellte Fragen

Ein Nackenlautsprecher ist ein tragbares Audiogerät in Form eines offenen Bügels, der auf den Schultern aufliegt. Die Lautsprecher sitzen an den vorderen Enden und strahlen nach oben ab, sodass der Ton aus wenigen Zentimetern Entfernung ans Ohr kommt. Weil nichts im oder am Ohr sitzt, bleibt der Gehörgang frei. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Nackenbügel-Lautsprecher und Nackenkopfhörer.

Zum Teil ja. Die offene Bauweise lässt Schall entweichen, weshalb Personen in unmittelbarer Nähe bei höherer Lautstärke etwas mitbekommen. Die Belastung für den Rest des Zimmers fällt trotzdem geringer aus als bei einem laut gestellten Fernseher. Wer vollständige Abschirmung braucht, etwa weil jemand im selben Zimmer schläft, ist mit einem geschlossenen Kopfhörer besser bedient.

Die Angaben der Anbieter reichen von wenigen Stunden bis in den zweistelligen Bereich. Als Orientierung gilt, dass ein Fernsehabend ohne Nachladen durchhalten sollte. Wer das Gerät auch tagsüber nutzt, achtet zusätzlich auf eine Schnellladefunktion oder eine Ladeschale, in der es zwischendurch abgelegt werden kann. Modelle mit Basisstation laden häufig direkt in dieser Station.

Diese Bauform berührt weder Kopf noch Ohren, sondern liegt ausschließlich auf den Schultern auf. Die Brillenbügel werden deshalb nicht eingeklemmt. Beim Auf- und Absetzen der Brille verrutscht nichts. Das ist einer der Punkte, an denen sich die Bauform spürbar von Over-Ear- und In-Ear-Modellen unterscheidet.

Vier Punkte fallen im Alltag am meisten ins Gewicht. Das Gewicht, denn es wird über den ganzen Abend getragen. Die Akkulaufzeit, die einen kompletten Fernsehabend abdecken sollte. Die Art der Verbindung samt Verzögerung zwischen Bild und Ton. Und die Bedienbarkeit der Tasten, die ohne Hinsehen erreichbar sein sollten.