Was ist ein AV-Receiver?
Der AV-Receiver ist das Gerät, an dem im Heimkino alles zusammenläuft. Er nimmt Bild und Ton von Konsole, Player oder Streaming-Box entgegen, schickt das Bild weiter an den Fernseher und verteilt den Ton auf die angeschlossenen Lautsprecher. AV steht dabei schlicht für Audio und Video.
Viele nutzen heute eine Soundbar oder einen TV-Sprachverstärker statt eines AV-Receivers. Wer mehrere Lautsprecher im Raum betreiben möchte, braucht für ein klassisches Heimkino aber meist weiterhin eine zentrale Lösung für Bild und Ton. Verwirrend wird es dabei vor allem beim Namen, weil gleich drei verschiedene Dinge im Wohnzimmer Receiver oder AV heißen.
Die Aufgaben eines AV-Receivers
Ein AV-Receiver übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig. Früher standen dafür einzelne Geräte im Regal, heute steckt alles in einem Gehäuse. Entsprechend groß und schwer können die Geräte ausfallen.
Schaltzentrale für Bild und Ton
An der Rückseite des Geräts sitzen mehrere HDMI-Eingänge, an denen Spielekonsole, Blu-ray-Player und Streaming-Box gleichzeitig angeschlossen bleiben können, ohne dass man beim Wechsel zwischen ihnen irgendein Kabel anfassen müsste. Der Receiver reicht das Bild der gerade gewählten Quelle an den Fernseher weiter und behält den Ton bei sich. Umgeschaltet wird am Receiver, nicht am Fernseher.
Praktisch heißt das, dass der Fernseher dauerhaft auf einem einzigen Eingang steht. Alles Weitere regelt die Fernbedienung des Receivers. Viele Geräte schalten sich über die Gerätesteuerung sogar gemeinsam ein.
Ein Fernseher hat oft nur zwei oder drei HDMI-Buchsen. Wer Konsolen, Player und Streaming-Box gleichzeitig betreibt, muss ohne ihn ständig die Kabel umstecken.
Verstärker für passive Lautsprecher
Passive Lautsprecher haben keinen eigenen Verstärker und keine Steckdose, sondern brauchen ein Gerät, das ihnen die Leistung liefert, und genau diese Aufgabe übernimmt der Receiver für jeden angeschlossenen Kanal einzeln. Erkennbar ist das an den Schraubklemmen auf der Rückseite, an denen blanke Lautsprecherkabel festgeklemmt werden.
Wie viel Leistung ein Kanal liefert, steht in Watt auf dem Datenblatt. Vergleichbar sind diese Angaben zwischen Herstellern allerdings kaum, weil unterschiedlich gemessen wird. In einem normalen Wohnzimmer laufen die Geräte ohnehin weit unterhalb ihrer Grenze.
Decoder für Mehrkanalton
Ton aus Film und Fernsehen kommt meist komprimiert an, etwa als Dolby Digital oder DTS. Jemand muss diesen Datenstrom auspacken und auf die einzelnen Lautsprecher verteilen. Im Heimkino ist das der Receiver. Bei aufwendigeren Formaten wie Dolby Atmos rechnet er zusätzlich Höheninformationen mit ein. Liegt nur Stereo vor, können viele Geräte daraus künstlich mehrere Kanäle erzeugen. Ob einem das gefällt oder nicht, ist Geschmackssache. Man kann dies aber auch einfach abschalten.
Drei Geräte, die alle Receiver heißen
Im Wohnzimmer kann Receiver ganz Verschiedenes meinen. Gemeint sein kann der AV-Receiver, die Empfangsbox für Satellit oder Kabel, manchmal auch nur die alten bunten Buchsen am Fernseher.
Der Receiver für den Fernsehempfang
Auch beim Fernsehempfang taucht der Begriff Receiver auf. Gemeint ist dann allerdings kein AV-Receiver, sondern eine Box, die das TV-Signal empfängt und an den Fernseher weitergibt. Solche Geräte gibt es zum Beispiel für Satelliten- oder Kabelempfang.
Mit einem AV-Receiver hat diese Empfangsbox nur den Namen gemeinsam. Sie kümmert sich um das Fernsehprogramm, während der AV-Receiver Bild- und Tonsignale verschiedener Geräte verarbeitet und die angeschlossenen Lautsprecher versorgt.
Bei vielen modernen Fernsehern ist der Empfänger für Satellit und Kabel bereits eingebaut. Eine zusätzliche Box wird deshalb oft nur noch benötigt, wenn der Anbieter sie für bestimmte Programme, Funktionen oder Empfangswege voraussetzt.
Der AV-Anschluss am Fernseher
Mit AV sind an älteren Fernsehern die drei bunten Cinch-Buchsen gemeint, gelb für Bild, rot und weiß für Ton. Damit wurden früher Videorekorder und Spielekonsolen angeschlossen. An neuen Geräten fehlen sie meist, weil HDMI beides über ein einziges Kabel überträgt.
Mit dem AV-Receiver hat das nichts zu tun, außer den beiden Buchstaben im Namen.
Kanäle, Anschlüsse und Einmessung
Auf der Verpackung stehen oft Zahlen wie 5.1 oder 7.2. Das sind Angaben zur Leistung und Hinweise auf die automatische Einmessung. Sie zeigen unter anderem, wie viele Lautsprecher und Zuspieler angeschlossen werden können und welche Möglichkeiten der Receiver bei der Einrichtung bietet. Dazu kommen Hinweise auf unterstützte Tonformate wie Dolby Atmos oder DTS:X.
Die Zahlenkombinationen auf der Verpackung
Die erste Zahl steht für die möglichen Lautsprecher im Raum. Die zweite steht bei einem Tonformat wie 5.1 für den zusätzlichen Kanal mit den tiefen Effekten. Bei der Angabe zu einem Gerät dagegen meist für die Zahl der Subwoofer-Ausgänge. Hinter 7.2 stecken entsprechend sieben Lautsprecher und zwei Anschlüsse für Subwoofer. Taucht eine dritte Zahl auf, stehen dort Höhenlautsprecher für die Decke oder Aufsatzboxen, die den Ton von oben reflektieren.
| Angabe | Was dahintersteckt |
|---|---|
| 2.0 | zwei Lautsprecher, also klassisches Stereo ohne Subwoofer |
| 2.1 | zwei Lautsprecher und ein Anschluss für einen Subwoofer |
| 5.1 | vorne drei, hinten zwei Lautsprecher, dazu der Kanal für tiefe Effekte |
| 7.2 | sieben Lautsprecher im Raum verteilt, dazu zwei Subwoofer-Anschlüsse |
| 5.1.2 | wie 5.1, zusätzlich zwei Lautsprecher für die Höhe |
Mehr Kanäle heißen mehr Lautsprecher im Zimmer und mehr Kabel zum Verlegen.
HDMI-Eingänge und der Rückweg zum Fernseher
Die Zahl der HDMI-Eingänge bestimmt, wie viele Zuspieler dauerhaft angeschlossen bleiben. Für den Weg zurück gibt es eine besondere Buchse, gekennzeichnet mit ARC oder eARC. Darüber schickt der Fernseher den Ton seiner eigenen Apps und des Fernsehprogramms an den Receiver, ohne dass dafür ein zweites Kabel nötig wäre.
Ist diese Verbindung nicht vorhanden, lässt sich der Fernsehton auch über den optischen Ausgang an den Receiver schicken. Die Tonformate sind dort allerdings begrenzt und die Lautstärke wird dann meist am Receiver geregelt.
Die automatische Einmessung
Viele AV-Receiver bringen dafür ein kleines Einmessmikrofon mit, das man am Hörplatz aufstellt. Der Receiver spielt Testtöne ab und passt danach Pegel und Laufzeiten der einzelnen Lautsprecher an. So werden Pegel und Laufzeiten an die unterschiedlichen Abstände und Bedingungen im Raum angepasst.
Alle Tonprobleme im Raum kann die Einmessung allerdings nicht ausgleichen. Starker Hall bleibt zum Beispiel bestehen. Nachjustieren lässt sich anschließend jeder Kanal einzeln, was vor allem beim Center sinnvoll sein kann.
AV-Receiver und die Sprachverständlichkeit
Viele schaffen sich eine Anlage an, weil der Fernsehton dünn klingt. Bei Wucht und Raumwirkung bringt das auch tatsächlich eine Menge. Wer vor allem Dialoge besser verstehen möchte, hat von einem AV-Receiver allerdings nicht automatisch mehr. Hier ist es häufiger sinnvoll über einen TV-Sprachverstärker nachzudenken.
Der Center-Lautsprecher
In einer großen Surround-Anlage kümmert sich der Center-Lautsprecher vor allem um Stimmen und Dialoge. Er steht meist direkt unter oder über dem Fernseher und kann am AV-Receiver separat lauter oder leiser gestellt werden. Wer Sprache etwas stärker hervorheben möchte, hat hier also einen direkten Ansatzpunkt.
Bei Mehrkanalton gibt es dafür einen eigenen Center-Kanal. Bei Stereo fehlt dieser Kanal. Der Receiver kann das Signal zwar je nach Modus auf mehrere Lautsprecher verteilen, echte getrennte Dialogsteuerung und Optimierung ist das aber nicht.
Platz, Kabel und Bedienung
Für ein klassisches Heimkino mit mehreren Lautsprechern ist der AV-Receiver eine zentrale Komponente. Dazu gehören Kabel durch den Raum verlegt, optimale Stellplätze für die Boxen müssen gefunden werden und ein zusätzliches Gerät, das bei jedem Fernsehabend mitlaufen und mitbedient werden will wird ebenfalls benötigt. Wer dagegen hauptsächlich normales Fernsehen schaut und keine Surround-Anlage aufbauen möchte, braucht diesen Aufwand häufig nicht.
Die Entfernung zwischen Lautsprechern und Hörplatz bleibt trotzdem bestehen. Wer Sprache schlecht versteht, profitiert deshalb nicht automatisch von mehr Lautsprechern. Steht vor allem die Sprachverständlichkeit im Vordergrund, kann eine Lösung näher am Sitzplatz gezielter an diesem Problem ansetzen.
Häufig gestellte Fragen
Das hängt davon ab, wen man fragt. In der Empfangstechnik meint Receiver die Box, die das Satelliten- oder Kabelsignal entschlüsselt und das Programm an den Fernseher liefert. In der Tontechnik meint Receiver den AV-Receiver, also den Verstärker mit Umschalter für mehrere Quellen. Wer wissen will, welches Gerät vor ihm steht, dreht es um. Schraubklemmen für Lautsprecherkabel hat nur der AV-Receiver.
Vor allem dann, wenn passive Lautsprecher im Raum stehen sollen, ein Surround- oder Atmos-Aufbau geplant ist oder mehrere Zuspieler dauerhaft angeschlossen bleiben. Für normales Fernsehen mit zwei Geräten am HDMI-Anschluss ist er überdimensioniert. Aktivlautsprecher, eine Soundbar oder eine Lösung am Sitzplatz kommen ohne ihn aus. Die Frage ist also weniger die Klangqualität als der geplante Aufbau im Zimmer.
Auch ein Stereo-Verstärker kann mehrere Eingänge und zusätzliche Funktionen haben. Ein AV-Receiver verarbeitet zusätzlich Videosignale und Mehrkanalton, wählt die Quelle aus und treibt fünf, sieben oder mehr Lautsprecher an. Ein Stereo-Verstärker bleibt bei zwei Kanälen und reicht kein Bild an den Fernseher weiter. In älteren Anlagen waren diese Aufgaben auf mehrere Geräte verteilt.
Sinnvoll ist er, wenn mehrere passive Lautsprecher im Raum stehen sollen, wenn ein Surround- oder Atmos-Aufbau geplant ist oder wenn mehrere Zuspieler dauerhaft angeschlossen bleiben. Für ein einfaches Fernsehsetup mit einem oder zwei Geräten am HDMI-Anschluss ist er nicht erforderlich. Soundbars decken diesen Bereich inzwischen ab und kommen ohne Kabelverlegung aus. Die Entscheidung hängt also am geplanten Aufbau und nicht an der Klangqualität allein.
Fehlt am Fernseher die HDMI-Buchse mit ARC, bleibt der optische Ausgang als Weg zum Receiver. Damit kommen Stereo und die gängigen komprimierten Mehrkanalformate durch, für die hochbitratigen Fassungen ist der Weg zu schmal. Ganz alte Geräte bieten nur die roten und weißen Cinch-Buchsen, die ausschließlich Stereo liefern. In beiden Fällen braucht es zusätzlich ein HDMI-Kabel vom Receiver zum Fernseher, falls Bild von einem Zuspieler kommen soll.
