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Barrierefreies Fernsehen im Überblick
Barrierefreies Fernsehen meint Zusatzangebote, die eine Sendung auch dann zugänglich machen, wenn Sehen oder Hören eingeschränkt sind. Dazu zählen Untertitel, Audiodeskription, Gebärdensprache und sprachlich oder klanglich aufbereitete Fassungen. Alle laufen parallel zum normalen Programm und werden bei Bedarf zugeschaltet.
Welche Optionen zur Verfügung stehen, hängt vom Sender, von der einzelnen Sendung und vom Empfangsweg ab. Hinzu kommen Funktionen im Fernsehgerät selbst, wie z.B. eine Sprachführung durch die Menüs. Wer barrierefreies Fernsehen nutzen möchte, muss deshalb an zwei Stellen ansetzen, nämlich beim Programm und beim Gerät.
Die Bausteine barrierefreier Angebote
Barrierefreies Fernsehen meint mehrere Angebote, die sich an verschiedene Gruppen richten. Manche ergänzen dabei das Bild um Ton, andere den Ton um Text. Wieder andere verändern die Sprache selbst, entweder klanglich oder inhaltlich.
Untertitel für Dialoge und Geräusche
Untertitel blenden das Gesprochene als Text ein. In den Fassungen für gehörlose und schwerhörige Menschen kommen Angaben zu Geräuschen und Musik dazu, oft werden die Sprechenden zusätzlich farblich unterschieden. In den Fernseher gelangen sie über den Videotext, über einen eigenen Datenstrom im Sendesignal oder über HbbTV. Man nutzt sie längst nicht mehr nur bei eingeschränktem Hören. Beim Sprachenlernen und in lauter Umgebung helfen sie ebenso.
Audiodeskription für das Bild
Was im Bild passiert, trägt hier eine zusätzliche Tonspur nach. In den Sprechpausen benennt eine Stimme knapp Personen, Orte, Gesten und Handlungen. Wer nicht oder wenig sieht, folgt der Handlung dadurch mit. Das Format nennt man auch Hörfilm. In den Menüs mancher Geräte steht dafür auch Audiobeschreibung oder Ton für Sehbehinderte.
Gebärdensprache im eingeblendeten Fenster
Bei diesem Angebot übersetzt eine dolmetschende Person die Sendung in Deutsche Gebärdensprache, sichtbar in einem eingeblendeten Fenster. Neben Hand- und Fingerzeichen gehören Mimik und Gestik dazu. Genutzt wird das vor allem bei Nachrichten, politischen Sendungen und großen Live-Ereignissen. In Filmen oder Serien kommt es hingegen kaum vor.
Klare Sprache als sprachbetonte Tonspur
Auch dieses Angebot läuft als eigene Tonspur, greift aber nur in die Mischung ein. Auf dieser Spur sind Musik und Geräuschkulisse zurückgenommen, wodurch die Stimmen hervortreten. Der Text selbst bleibt dabei unverändert. Bereitgestellt wird die Spur von ARD und ZDF, allerdings nicht zu jeder Sendung.
Leichte und Einfache Sprache
Diese beiden Angebote setzen nicht am Klang an, sondern am Text. Kurze Sätze, bekannte Wörter und der Verzicht auf Fachbegriffe machen den Inhalt zugänglich, wenn Lesen oder Verstehen schwerfallen. Leichte Sprache folgt dabei festen Regeln, Einfache Sprache ist etwas freier gefasst. Zu finden sind solche Fassungen vor allem bei Nachrichten. Angeboten werden sie als eigene Sendungen, als Texte im Netz und teilweise im Videotext.
| Angebot | Was es ergänzt | Vor allem gedacht für |
|---|---|---|
| Untertitel | Text zum Gesprochenen, dazu Hinweise auf Geräusche und Musik | gehörlose und schwerhörige Menschen, daneben viele weitere |
| Audiodeskription | zweite Tonspur, die das Bild in den Dialogpausen beschreibt | blinde und sehbehinderte Menschen |
| Gebärdensprache | eingeblendetes Fenster mit einer dolmetschenden Person | gehörlose Menschen, die Gebärdensprache nutzen |
| Klare Sprache | zweite Tonspur mit abgesenkter Musik und Geräuschkulisse | Menschen, die Dialoge schlecht heraushören |
| Leichte und Einfache Sprache | sprachlich vereinfachte Fassung des Inhalts | Menschen mit Lernschwierigkeiten und Sprachbarrieren |
Untertitel und Audiodeskription sind am weitesten verbreitet. Gebärdensprache und vereinfachte Sprachfassungen findet man dagegen vor allem bei Nachrichten und Live-Ereignissen.
Barrierefreiheit am Fernsehgerät
Die Hürden der besseren Zugänglichkeit zum Programm liegen oft schon beim Weg dorthin. Wer die Menüs nicht lesen kann, kommt an eine Audiodeskription auch dann nicht heran, wenn der Sender sie ausstrahlt. Moderne Geräte haben dafür mittlerweile ein eigenes Menü, meist unter dem Stichwort Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit.
Sprachführung durch die Menüs
Eine Sprachführung liest vor, was gerade auf dem Bildschirm markiert ist. Sie hilft also schon vor dem Schauen einer Sendung im TV. Das betrifft Menüpunkte, Sendernamen und in vielen Fällen auch die Programmzeitschrift. Je nach Gerät heißt die Funktion Sprachausgabe oder Bildschirmleseprogramm. Verwechselt wird sie oft mit der Audiodeskription, weil in beiden Fällen eine zusätzliche Stimme zu hören ist. Die Sprachführung beschreibt aber die Bedienoberfläche, die Audiodeskription den Film.
Darstellung und Fernbedienung
Für eingeschränktes Sehen lassen sich an vielen Geräten auch Farben und Kontrast anpassen. Verbreitet sind ein Modus mit hohem Kontrast, eine Darstellung in Graustufen und eine Vergrößerung der Menütexte. An der Fernbedienung helfen große Tasten mit spürbarem Abstand. Erhabene Punkte findet man häufig auf der Zifferntaste fünf und auf der Taste für die Programmwahl. Eine Sprachsteuerung kürzt die Bedienung zusätzlich ab. Sender lassen sich dann direkt ansagen.
Barrierefreie Sendungen finden
Vorhanden zu sein und gefunden zu werden sind zwei verschiedene Dinge. Eine Audiodeskription nützt wenig, wenn niemand weiß, dass sie zu dieser Sendung existiert. Im Programm und in den Mediatheken gibt es deshalb Kennzeichnungen und Filter.
Kennzeichnung im Programm
In Programmübersichten stehen kurze Kürzel neben dem Sendungstitel, meist UT für Untertitel, AD für Audiodeskription und DGS für Deutsche Gebärdensprache. Dieselben Kürzel tauchen in der Programmzeitschrift des Fernsehers auf, manche Sender setzen dazu kleine Bildzeichen. Ganz verlassen sollte man sich darauf allerdings nicht, denn Programmänderungen erreichen die Kennzeichnung nicht immer.
Filter in den Mediatheken
Die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender bündeln ihre barrierefreien Inhalte in eigenen Bereichen. Dort lässt sich dann gezielt nach Untertiteln, Audiodeskription und Gebärdensprache filtern. Beim Abspielen wählt man die gewünschte Fassung dann über ein Menü im Player.
- Im barrierefreien Bereich der Mediathek nach der gewünschten Fassung filtern.
- Im Player prüfen, welche Tonspuren und Untertitel zur Auswahl stehen.
- Bei Serien einzelne Folgen kontrollieren, weil die Fassungen nicht immer vollständig vorliegen.
- Auf die Verweildauer achten, denn viele Beiträge stehen nur befristet bereit.
Verfügbarkeit nach Anbieter und Empfangsweg
Wo und wie viel barrierefreies Fernsehen zur Verfügung steht, unterscheidet sich stark. Zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern liegt ein deutlicher Abstand. Beim Streaming ist es dann wieder anders, hier spielen eigene Regeln der Anbieter eine Rolle, ebenso wie der Empfangsweg.
Sender und Streamingdienste
Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist das Angebot am breitesten. Dort liegen inzwischen alle Erstsendungen mit Untertiteln vor. Audiodeskription und Gebärdensprache gibt es ebenfalls regelmäßig, mit Schwerpunkt beim Hauptabendprogramm und bei den Nachrichten. Bei den privaten Anbietern fällt das Angebot dagegen schmaler aus, besonders deutlich bei der Audiodeskription. Gut zu wissen: Seit 2022 müssen bundesweite private Sender allerdings regelmäßig über ihren Stand berichten.
Streamingdienste bieten Untertitel meist durchgängig an, bei den Tonfassungen sieht es uneinheitlich aus. Ob eine App Audiodeskription unterstützt, zeigt sich oft erst beim Abspielen. Hinzu kommt die Frage, wie gut sich die App überhaupt bedienen lässt, denn eine Vorlesefunktion des Fernsehers greift dort nicht zwangsläufig.
Empfang ohne Internetanschluss
Ein Teil der Angebote läuft über das Sendesignal und braucht deshalb kein Internet. Untertitel kommen über den Videotext oder als eigener Datenstrom, Audiodeskription und Klare Sprache als zusätzliche Tonspuren. Ein älteres Gerät kann dabei hinderlich sein, wenn ihm die neueren Untertitel-Datenströme fehlen. Über Antenne, Kabel und Satellit steht das gleichermaßen offen. An das Internet gebunden sind dagegen die Mediatheken und alles, was über HbbTV läuft.
Häufig gestellte Fragen
Gemeint sind Zusatzangebote, die eine Sendung auch bei eingeschränktem Sehen oder Hören zugänglich machen. Dazu gehören Untertitel, eine beschreibende Tonspur, Gebärdensprache sowie sprachlich oder klanglich aufbereitete Fassungen. Der Begriff umfasst außerdem die Bedienung des Fernsehgeräts, etwa über eine Sprachführung. Beides zusammen entscheidet darüber, ob ein Programm tatsächlich nutzbar ist.
Entwickelt wurden sie für diese Gruppen, genutzt aber von deutlich mehr Menschen. Untertitel laufen in vielen Haushalten mit, weil sie beim Sprachenlernen helfen oder das Mitschauen in lauter Umgebung ermöglichen. Vereinfachte Sprachfassungen sind auch für alle nützlich, die Deutsch gerade erst lernen. Eine Sprachführung am Gerät erleichtert zudem die Bedienung, wenn die Schrift im Menü sehr klein ausfällt.
Für die Fassungen selbst fällt nichts an, sie sind Teil des jeweiligen Programms und im Rundfunkbeitrag oder im Abonnement enthalten. Kosten entstehen allenfalls beim Gerät, etwa wenn ein älterer Fernseher die Funktionen nicht mitbringt. Auch ein Zusatzgerät für den Empfang kann nötig werden. Die Angebote der Sender bleiben davon unberührt.
Zuständig ist zunächst der jeweilige Sender, der auf seinen Seiten meist einen Kontakt für dieses Thema nennt. Daneben gibt es eine zentrale Anlaufstelle für barrierefreie Angebote, die Hinweise zu öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern entgegennimmt. Sinnvoll ist es, Sendung, Datum, Uhrzeit und Empfangsweg mit anzugeben. Damit lässt sich der Fall schneller zuordnen.
Sie entstehen währenddessen und nicht vorab. Eine Person spricht das Gesagte nach oder tippt mit, woraus die Untertitel erzeugt werden. Dieser Vorgang braucht ein paar Sekunden, die sich nicht vermeiden lassen. Aus demselben Grund enthalten Live-Untertitel häufiger Fehler als vorproduzierte Fassungen.