Raumakustik im Wohnzimmer verbessern
Raumakustik verbessern heißt im Wohnzimmer vor allem, den Nachhall zu verringern. Parkett, Glas und glatt verputzte Wände schlucken kaum Schall. Der Ton des Fernsehers wird deshalb mehrfach zurückgeworfen, bevor er verklingt. Auf dem Sofa klingt er dadurch verwaschener als direkt vor den Lautsprechern.
Oft lässt sich die Raumakustik schon mit einzelnen Maßnahmen verbessern, etwa mit einem großen Teppich, schweren Vorhängen oder Polstermöbeln mit Stoffbezug. Klingt der Raum danach immer noch hallig, können Schallabsorber an der Decke oder an der Wand helfen. Für den Bass braucht es andere Lösungen, weil sich tiefe Töne im Raum anders verhalten.
Nachhall im Wohnzimmer
Der Ton des Fernsehers kommt am Sofa nicht nur auf direktem Weg an. Der größere Teil gelangt über Wände, Decke, Boden und Fenster zum Zuhörer, also etwas später und aus anderen Richtungen. Je nachdem, wie groß der Raum ist und wie viele harte Flächen es darin gibt, fällt das unterschiedlich stark ins Gewicht.
Direktschall und Reflexionen
Der Direktschall ist der Teil des Tons, der ohne Umweg vom Lautsprecher zum Ohr kommt. Kurz danach treffen die ersten Reflexionen ein, meist von den Seitenwänden, vom Boden und von der Decke. Ihnen folgen viele weitere, die sich überlagern und langsam leiser werden. Zusammen hört man sie als Nachhall.
Je weiter der Sitzplatz von den Lautsprechern entfernt ist, desto stärker mischen sich die Reflexionen des Raums unter den direkten Fernsehton. In einem halligen Raum merkt man das schon bei geringem Abstand. In einem gut eingerichteten Raum fällt es erst bei größerem Abstand auf.
Die Nachhallzeit
Wie hallig ein Raum ist, lässt sich an der Nachhallzeit ablesen. Sie gibt an, wie lange es dauert, bis ein Ton nach dem Abschalten um 60 Dezibel leiser geworden ist. Dann ist er praktisch nicht mehr zu hören.
In eingerichteten Wohnzimmern liegt die Nachhallzeit häufig bei ungefähr einer halben Sekunde. Im tiefen Bass kann sie deutlich länger sein, weil Möbel und Textilien tiefe Töne kaum schlucken. Größere Räume hallen ebenfalls länger nach. Noch viel stärker hallt ein leerer Raum. Das kennt man aus einer frisch renovierten Wohnung vor dem Einzug.
Flatterecho und Dröhnen
Stehen sich zwei glatte Flächen parallel gegenüber, etwa zwei kahle Wände oder ein Fliesenboden und eine glatte Decke, kann der Schall zwischen ihnen hin und her springen. Nach einem Klatschen oder einem lauten Wort hört man dann ein schnelles, leicht metallisches Flattern.
Im Bass bilden sich zwischen den Wänden bei bestimmten tiefen Frequenzen stehende Wellen, die man Raummoden nennt. An manchen Stellen im Raum dröhnen dann einzelne Basstöne, an anderen sind sie kaum zu hören. Wie der Bass klingt, hängt deshalb stark davon ab, wo man sitzt.
Den eigenen Raum einschätzen
Ob ein Wohnzimmer zu hallig ist, hört man meist schon, wenn man in die Hände klatscht oder laut spricht. Mit Musik lässt sich zusätzlich prüfen, ob einzelne Basstöne auf dem Sofa dröhnen. Eine App auf dem Smartphone liefert einen groben Wert, mit dem man den Raum vor und nach einer Änderung vergleichen kann.
Gezielt hinhören
Man klatscht einmal kräftig in die Hände oder spricht laut und achtet darauf, wie der Klang verklingt. Ist ein Flattern zu hören, liegt das meist an zwei parallelen, harten Flächen. Geht man dabei durch den Raum, merkt man schnell, zwischen welchen Wänden es am stärksten ist.
Für den Bass spielt man ein Musikstück mit gleichmäßiger Basslinie in normaler Lautstärke ab. Klingt der Bass auf dem Sofa deutlich anders als einen Meter daneben, liegt das an den Raummoden. Mit Hall hat das dann weniger zu tun als mit dem Platz im Raum.
Messen mit dem Smartphone
Es gibt Apps, die die Nachhallzeit über das Mikrofon des Smartphones messen. Man startet die Messung, klatscht in die Hände oder macht ein anderes kurzes, lautes Geräusch und bekommt einen ungefähren Wert angezeigt. Um den Raum vor und nach einer Änderung zu vergleichen, reicht das meist aus.
Genaue Werte sollte man davon allerdings nicht erwarten. Die Mikrofone in Smartphones sind für Sprache gebaut und nehmen tiefe Töne nur ungenau auf. Für den Bass taugen solche Messungen deshalb wenig.
Typische Schwachstellen
Hallig wird es vor allem dort, wo harte Flächen wie Sichtbeton, große Glasfronten oder glatte Böden ohne Teppich einen großen Teil des Raums ausmachen. Ein Wohnzimmer mit wenigen Möbeln und viel freier Wand kann deshalb deutlich halliger klingen als ein voll eingerichteter Raum gleicher Größe.
Offene Wohnküchen sind größer als ein abgetrenntes Wohnzimmer und hallen deshalb bei gleicher Einrichtung länger nach. Außerdem bestehen Küchenfronten, Arbeitsplatten und Fliesenspiegel fast immer aus harten Materialien, die kaum Schall schlucken. Ähnlich ist es bei hohen Decken. Sie machen den Raum größer, ohne dass weiche Flächen hinzukommen.
Raumakustik verbessern mit Einrichtung
Die ersten Schritte kosten meist wenig, weil man Dinge nutzt, die ohnehin zum Wohnzimmer gehören. Wie viel das bringt, hängt davon ab, wo sie stehen und wie viel Fläche sie abdecken. Textilien schlucken vor allem hohe und mittlere Töne. Regale verteilen den Schall eher im Raum.
| Maßnahme | wirkt vor allem auf | Hinweis |
|---|---|---|
| großer, dicker Teppich | hohe und mittlere Töne | je dicker und größer, desto mehr Wirkung |
| schwere Vorhänge in Falten | mittlere und hohe Töne | mit etwas Abstand zu Fenster oder Wand |
| Sofa und Sessel mit Stoffbezug | mittlere und hohe Töne | große Fläche nahe am Sitzplatz |
| offenes, locker bestücktes Regal | Streuung statt Reflexion | macht den Klang gleichmäßiger |
| dünne Schaumstoffmatten | nur hohe Töne | Bass bleibt unverändert |
Textilien und Möbel nehmen dem Raum vor allem den hellen, scharfen Nachhall. Gegen Dröhnen im Bass helfen sie wenig.
Teppich und Boden
Der Boden macht in vielen Wohnzimmern einen großen Teil der harten Flächen aus. Ein großer Teppich vor dem Sofa dämpft die Reflexionen genau auf dem Weg, den der Ton vom Fernseher nimmt. Ein dünner Läufer bringt dagegen nur wenig. Dicke, dichte Teppiche schlucken auch mittlere Töne, den Bass aber kaum.
Vorhänge richtig einsetzen
Vorhänge schlucken umso mehr Schall, je schwerer der Stoff ist und je mehr Falten er wirft. Leichte, glatt hängende Stoffe bringen dagegen kaum etwas. Hängt der Vorhang mit etwas Abstand vor dem Fenster oder der Wand, wirkt er auch bei etwas tieferen Tönen. Das gilt allerdings nur, solange er zugezogen ist.
Polstermöbel und Regale
Ein Sofa mit Stoffbezug ist eine große, weiche Fläche, die viel Schall schluckt. Glattes Leder wirft dagegen mehr Schall zurück. Offene Regale mit Büchern, Pflanzen oder Deko schlucken weniger Schall, verteilen ihn aber in viele Richtungen. Dadurch klingt der Raum gleichmäßiger. Auch ein Flatterecho zwischen zwei Wänden wird so schwächer. Diffusoren aus Holz oder Kunststoff funktionieren nach demselben Prinzip, sind in Wohnzimmern aber eher selten.
Schallabsorber an Wand und Decke
Reichen Möbel und Textilien nicht aus, helfen Schallabsorber weiter. Das sind Platten, Bilder oder Deckenelemente aus porösem Material, die eigens dafür gemacht sind, Schall zu schlucken. Wie viel sie bringen, hängt vor allem von ihrer Dicke und von der Stelle ab, an der sie hängen.
Funktionsweise poröser Absorber
Poröse Absorber bestehen zum Beispiel aus Mineralwolle, Polyesterfasern oder offenporigem Schaumstoff. Dringt der Schall in das Material ein, reibt sich die Luft an den Fasern. Dabei wird ein Teil der Schallenergie in Wärme umgewandelt. Dünne Absorber wirken vor allem bei hohen Tönen. Für mittlere und tiefere Töne muss das Material dicker sein oder mit Abstand zur Wand hängen.
Auf vielen Datenblättern steht ein bewerteter Schallabsorptionsgrad zwischen 0 und 1. Je höher der Wert ist, desto mehr Schall schluckt das Material. Oft ist zusätzlich eine Absorberklasse von A bis E angegeben, wobei A für die stärkste Absorption steht. Beide Angaben beruhen allerdings nur auf Frequenzen von 250 bis 4.000 Hertz. Wie gut ein Absorber bei tieferen Tönen wirkt, lässt sich daran nicht ablesen.
Die richtigen Stellen
An der Decke ist in den meisten Wohnzimmern viel Platz. Ein oder mehrere Deckensegel zwischen Fernseher und Sofa dämpfen dort die Reflexionen, ohne dass man die Einrichtung ändern muss. An den Wänden bringen Absorber am meisten dort, wo der Ton auf dem Weg vom Fernseher zum Sofa zum ersten Mal auf die Wand trifft.
Diese Stellen findet man mit einem Spiegel. Dafür setzt sich eine Person auf das Sofa, eine zweite hält einen Spiegel flach an die Seitenwand und schiebt ihn langsam daran entlang. Sieht man vom Sofa aus den Fernseher oder die Soundbar im Spiegel, hat man eine solche Stelle gefunden. Dasselbe macht man an der zweiten Seitenwand und, wenn das Sofa nahe an der Wand steht, auch an der Wand dahinter.
Akustikbilder und Akustikpaneele
Akustikbilder sind Absorber, die mit bedrucktem Stoff bespannt sind und wie ein Bild an der Wand hängen. Innen steckt meist eine Platte aus Mineralwolle, Polyester oder Schaumstoff. Wie gut sie wirken, hängt vor allem davon ab, wie dick diese Platte ist und wie viel Abstand zur Wand bleibt.
Holzlamellenpaneele bestehen aus schmalen Holzleisten auf einer Filzschicht. Schall schlucken dabei nur der Filz und, falls vorhanden, eine Dämmung dahinter. Die Leisten selbst werfen einen Teil des Schalls zurück. Ohne Dämmung dahinter wirken solche Paneele deshalb oft schwächer, als man erwarten würde.
Wer Absorber selbst baut, sollte schwer entflammbares Material verwenden. Das gilt für die Füllung ebenso wie für den Stoff, mit dem sie bespannt werden.
Menge und Verteilung der Dämpfung
Wie lange ein Raum nachhallt, hängt von seiner Größe ab und davon, wie viel Schall darin insgesamt geschluckt wird. Je mehr schallabsorbierende Flächen im Raum vorhanden sind, desto kürzer wird der Nachhall. Deshalb bringen Teppiche, Vorhänge, Möbel und Absorber zusammen meist mehr als eine einzelne Maßnahme.
Man kann allerdings auch zu viel dämpfen. Werden nur die hohen Töne stark geschluckt, klingt der Raum dumpf, während der Bass so lange nachhallt wie vorher. Besser ist es, mehrere Maßnahmen im Raum zu verteilen und nach jedem Schritt erneut hinzuhören.
Bass und Ecken
Tiefe Töne haben Wellenlängen von mehreren Metern. Teppiche und Vorhänge richten bei ihnen deshalb kaum etwas aus. Im Raum verhalten sie sich außerdem anders als Stimmen oder Musik in mittlerer Tonlage. Mehr bringt hier meist, Sofa, Lautsprecher und Subwoofer anders aufzustellen.
Raummoden
Raummoden entstehen zwischen parallelen Wänden und zwischen Boden und Decke. Bei bestimmten Frequenzen verstärkt sich der Schall an einer Stelle und löscht sich an einer anderen fast aus. Welche Frequenzen das sind, hängt von den Maßen des Raums ab. An den Wänden und besonders in den Ecken ist der Bass meist am stärksten.
Steht das Sofa direkt an der Rückwand, können einzelne Basstöne besonders stark auffallen. Rückt man das Sofa ein Stück von der Wand ab, ändert sich der Bass oft hörbar. Welche Position am gleichmäßigsten klingt, muss man ausprobieren. Genau in der Raummitte fehlen dagegen manche Basstöne fast ganz. Auch dort sitzt man deshalb nicht gut.
Subwoofer und Sitzplatz
Ein Subwoofer in der Ecke klingt kräftiger, verstärkt aber auch die Raummoden. Der Bass dröhnt dann leichter. Bei Explosionen oder lauter Musik geht der übrige Ton darin unter. Oft hilft es, den Subwoofer an verschiedenen Stellen entlang der Wand aufzustellen und jeweils vom Sofa aus zu hören.
Schneller ist meist der umgekehrte Weg, bei dem man den Subwoofer vorübergehend auf das Sofa stellt. Dann spielt man ein Musikstück mit gleichmäßiger Basslinie ab. Dann setzt man sich an den Stellen auf den Boden, an denen der Subwoofer später stehen könnte. Wo der Bass am gleichmäßigsten klingt, ist der richtige Platz für den Subwoofer. Das funktioniert, weil der Schall zwischen zwei Punkten im Raum in beide Richtungen denselben Weg nimmt.
Grenzen einfacher Mittel
Raummoden lassen sich nur mit sehr dicken Absorbern oder speziellen Bassabsorbern dämpfen, die meist in den Ecken stehen. Sie sind groß und fallen im Wohnzimmer deutlich auf. Viele AV-Receiver und manche Soundbars haben außerdem eine automatische Einmessung, die den Raum mit einem Mikrofon ausmisst. Sie kann dröhnende Basstöne leiser machen. Töne, die sich am Sitzplatz auslöschen, holt sie aber nicht zurück.
Grenzen der Raumakustik
Mit besserer Raumakustik klingt der Ton im Raum klarer. Sie ist allerdings kein Ersatz für Schallschutz. Absorber verringern Reflexionen im Raum, verhindern aber nicht, dass der Fernsehton über Wände und Decken in andere Räume gelangt. Am Abstand zwischen Lautsprecher und Sofa ändert sie ebenfalls nichts.
Raumakustik ist kein Schallschutz
Damit weniger Schall in die Nachbarwohnung dringt, braucht es bauliche Maßnahmen, etwa schwerere Wände oder Verkleidungen, die nicht fest mit der Wand verbunden sind. Ein Raum mit weniger Hall wirkt leiser und ist es oft auch ein wenig, weil weniger Schall von den Wänden zurückkommt. Für die Wohnung nebenan ändert sich aber meist nur wenig.
Abstand zwischen Lautsprecher und Sitzplatz
Auch in einem gut eingerichteten Wohnzimmer kommt auf dem Sofa ein Teil des Tons über Umwege an. Dieser Anteil wird umso größer, je weiter das Sofa von den Lautsprechern entfernt steht. Akustikmaßnahmen verringern diese Reflexionen, am Abstand selbst ändern sie aber nichts.
Ein TV-Sprachverstärker wie OSKAR verkürzt diesen Abstand, weil der Fernsehton näher am Hörplatz wiedergegeben wird.
Häufig gestellte Fragen
Am wenigsten Aufwand machen Dinge, die ohnehin ins Wohnzimmer gehören. Dazu zählen ein großer Teppich, schwere Vorhänge und Polstermöbel mit Stoffbezug. Danach kommen einzelne Absorber oder Akustikbilder an den Reflexionspunkten der Seitenwände und an der Decke. Dröhnt der Bass, hilft es eher, Sofa und Subwoofer umzustellen. Hört man nach jedem Schritt kurz hin, merkt man, ob der nächste überhaupt nötig ist.
Für Wohnzimmer gibt es keinen festen Richtwert. In eingerichteten Wohnzimmern liegt die Nachhallzeit häufig bei ungefähr einer halben Sekunde. Liegt sie deutlich darüber, klingt der Raum hallig. Ist sie sehr kurz, wirkt er eher dumpf.
Eierkartons bringen sehr wenig, weil sie aus dünner Pappe bestehen. Sie schlucken nur einen kleinen Teil des Schalls, vor allem in den hohen Tönen. Ihre unebene Form streut den Schall zwar etwas, ersetzt aber keinen Absorber. Außerdem ist Pappe leicht brennbar.
In einer leeren Wohnung fehlt fast alles, was Schall schluckt oder streut. Wände, Boden, Decke und Fenster werfen den Ton ungehindert zurück. Der Nachhall wird dadurch sehr lang. Mit Sofa, Teppich, Vorhängen und Regalen verkürzt er sich deutlich. Wie hallig ein Raum wirklich ist, lässt sich deshalb erst nach dem Einrichten sagen.
Eine feste Zahl gibt es nicht. Wie viele Absorber nötig sind, hängt von der Größe des Raums, der Einrichtung und den harten Flächen ab. In einem normal eingerichteten Wohnzimmer reichen oft wenige Absorber an den Reflexionspunkten und an der Decke. Sinnvoll ist es, klein anzufangen und nach jedem Schritt zu prüfen, ob sich der Klang auf dem Sofa verbessert.
