Fernsehen besser verstehen

Was ist ein Center-Kanal?

Von Faller Audio Redaktion | | 8 Min. Lesezeit
Lautsprecherbox schwarz

Bei einer 5.1-Tonspur gibt es einen eigenen Center-Kanal, über den meist ein großer Teil der Dialoge läuft. Deshalb kommen Stimmen bei einer Surround-Anlage normalerweise aus dem Lautsprecher direkt unter oder über dem Fernseher. Bei Stereo gibt es diesen zusätzlichen Kanal nicht.

Ist kein Center-Lautsprecher vorhanden, wird sein Signal bei der Wiedergabe auf die vorhandenen Lautsprecher verteilt. Meist entsteht die Stimme dann zwischen dem linken und rechten Lautsprecher. Sitzt man nicht mittig davor oder stehen die Lautsprecher weit auseinander, kann dieser Eindruck allerdings schwächer werden.

Der Center-Kanal im Mehrkanalton

Mehrkanalton verteilt den Ton eines Films auf mehrere Kanäle, die jeweils einer Richtung im Raum zugeordnet sind. Der Center-Kanal ist dabei der Kanal für die Mitte vorne. Im Alltag wird der Begriff allerdings sowohl für diesen Kanal als auch für den zugehörigen Lautsprecher verwendet, was leicht zu Missverständnissen führt.

Aufbau einer 5.1-Tonspur

Eine 5.1-Tonspur hat vorne drei Kanäle für links, Mitte und rechts. Dazu kommen zwei Surround-Kanäle, die seitlich hinter dem Hörplatz wiedergegeben werden, sowie ein Kanal für tiefe Effekte, die Eins hinter dem Punkt. Diesen Kanal gibt in der Regel ein Subwoofer wieder. Bei 7.1 und bei Formaten mit Höhenkanälen kommen weitere Kanäle hinzu, der Center-Kanal bleibt dabei unverändert.

Im Kino stehen die drei vorderen Lautsprecher hinter der Leinwand. Welche Töne auf welchem Kanal liegen, wird bei der Tonmischung im Studio festgelegt.

Kanal und Lautsprecher

Der Center-Kanal ist Teil der Tonspur und wird mit dem Film geliefert, sei es über einen Streamingdienst, eine Blu-ray oder das Fernsehprogramm. Voraussetzung ist, dass die Sendung in Mehrkanalton vorliegt. Der Center-Lautsprecher ist dagegen das Gerät, das diesen Kanal ausgibt.

Beides kommt häufig unabhängig voneinander vor. Viele Filme werden mit Center-Kanal geschaut, ohne dass ein Center-Lautsprecher vorhanden ist. Umgekehrt bleibt ein Center-Lautsprecher bei einer Stereosendung ungenutzt, sofern das Gerät nicht selbst eine Mitte aus den beiden Kanälen errechnet.

Die Mitte bei Stereo

Eine Stereospur hat nur einen linken und einen rechten Kanal. Wird eine Stimme auf beiden Seiten gleich laut abgemischt, hört man sie trotzdem in der Mitte zwischen den Lautsprechern. Die Mitte entsteht bei Stereo also aus dem Zusammenspiel beider Lautsprecher.

Mit dem Center-Kanal wird daraus ein eigener Kanal. Ein Gerät kann ihn getrennt verarbeiten und über einen eigenen Lautsprecher ausgeben.

Dialoge im Center-Kanal

Dass Dialoge meist über den Center-Kanal laufen, hat mit dem Bild zu tun. Personen, die im Film sprechen, sind in der Regel im Bild zu sehen, also vorne im Raum. Ihre Stimmen sollen deshalb für alle Zuschauer aus dieser Richtung kommen. Ein eigener Kanal hat zudem den Vorteil, dass sich die Stimmen bei der Wiedergabe getrennt vom übrigen Ton einstellen lassen.

Stimmen für alle Sitzplätze

Im Kino sitzen viele Zuschauer nebeneinander, einige davon weit außen. Würde die Stimme nur aus dem linken und rechten Lautsprecher entstehen, würde sie sich für diese Plätze zur Seite verschieben. Ein eigener Lautsprecher in der Mitte verhindert das, weil die Stimme dann tatsächlich aus der Bildmitte kommt.

Zuhause im Wohnzimmer gilt das in kleinerem Maßstab ebenso. Sitzen mehrere Personen auf dem Sofa oder steht ein Sessel seitlich, kommt die Stimme mit einem Center-Lautsprecher für alle aus Richtung des Fernsehers.

Weitere Inhalte im Center-Kanal

Der Center-Kanal bringt jedoch nicht nur Stimmen. Bei der Tonmischung werden dort häufig auch Geräusche abgelegt, die zum Geschehen in der Bildmitte gehören, etwa eine Tür, die geschlossen wird. Je nach Mischung liegen auch Teile der Musik auf diesem Kanal.

Umgekehrt können Stimmen auch auf den seitlichen Kanälen liegen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn jemand außerhalb des Bildes ruft oder ein Schauspieler das Bild verlässt.

Getrennte Einstellung der Stimmen

Da die Stimmen überwiegend auf einem eigenen Kanal liegen, lassen sie sich bei der Wiedergabe gezielt anpassen. Mit einem Center-Lautsprecher kann man die Mitte etwas lauter stellen, ohne dass Musik und Effekte auf den übrigen Kanälen lauter werden. Bei einer Stereospur ist das nicht ohne Weiteres möglich, weil Sprache und übriger Ton dort bereits in denselben zwei Kanälen gemischt sind.

Wiedergabe ohne Center-Lautsprecher

Die meisten Fernseher haben einen linken und einen rechten Lautsprecher. Bei einer 5.1-Tonspur muss der Fernseher die Kanäle deshalb auf diese beiden Lautsprecher verteilen. Für den Center-Kanal bedeutet das, dass die Stimmen aus beiden Lautsprechern gleichzeitig kommen. Das beeinflusst sowohl den Klang als auch die Richtung, aus der man die Stimme wahrnimmt.

Verteilung auf zwei Kanäle

Beim sogenannten Downmix wird der Center-Kanal zu gleichen Teilen in den linken und den rechten Kanal gemischt. Dabei wird er üblicherweise etwas abgesenkt, da er über zwei Lautsprecher sonst lauter wirken würde als über einen einzelnen Center-Lautsprecher. Die Surround-Kanäle werden ebenfalls in die beiden Kanäle eingerechnet.

Wie die Anteile genau verteilt werden, hängt vom Gerät und von den Angaben in der Tonspur ab. Fällt der Anteil des Center-Kanals zu gering aus, treten Musik und Effekte stärker in den Vordergrund.

Die Phantommitte

Geben zwei Lautsprecher dasselbe Signal gleichzeitig und gleich laut wieder, hört man nicht zwei Schallquellen, sondern eine einzige zwischen ihnen. In der Akustik wird das als Summenlokalisation bezeichnet, im Alltag spricht man von einer Phantommitte. Auf diese Weise entsteht auch die Mitte, wenn der Fernseher den Center-Kanal auf beide Lautsprecher verteilt.

Sitzt man etwa gleich weit von beiden Lautsprechern entfernt, funktioniert das in der Regel gut. Die Stimme scheint dann aus der Mitte des Fernsehers zu kommen, obwohl dort kein eigener Lautsprecher verbaut ist.

Einfluss der Sitzposition

Sitzt man deutlich näher an einem der beiden Lautsprecher, erreicht dessen Schall das Ohr etwas früher. Man nimmt den Ton dann eher auf dieser Seite wahr. Die Stimme verschiebt sich dadurch in Richtung des näheren Lautsprechers, obwohl beide sie gleich laut wiedergeben.

Bei den eingebauten Lautsprechern eines Fernsehers ist der Effekt geringer, weil sie nah beieinander liegen. Je weiter zwei Lautsprecher auseinanderstehen, desto deutlicher wird er.

Klangliche Unterschiede

Eine Phantommitte klingt nicht genau wie ein eigener Lautsprecher in der Mitte. Jedes Ohr erhält den Schall beider Lautsprecher mit einem geringen Zeitversatz. Dadurch überlagern sich die Schallwellen so, dass einzelne Frequenzen abgeschwächt werden.

Diese Abschwächungen können in einem Frequenzbereich liegen, der für die Verständlichkeit von Sprache wichtig ist. Die Stimme bleibt verständlich, klingt aber häufig etwas weniger präsent als aus einem einzelnen Lautsprecher. Über einen eigenen Center-Lautsprecher sind Stimmen deshalb oft etwas leichter zu verstehen, wenngleich auch meist nicht perfekt.

Der Center-Kanal je nach Wiedergabegerät

Wie der Center-Kanal wiedergegeben wird, hängt vom Gerät ab. Fernsehlautsprecher, Kopfhörer, Soundbar und Heimkinoanlage gehen jeweils unterschiedlich damit um. Entscheidend ist, ob es für den Center-Kanal einen eigenen Lautsprecher gibt oder ob die Mitte aus zwei Lautsprechern entsteht.

Wiedergabe Wiedergabe des Center-Kanals Folge für die Stimmen
Lautsprecher im Fernseher meist über den linken und rechten Lautsprecher Phantommitte, vom mittleren Sitzplatz aus klar
Kopfhörer über beide Ohrmuscheln Stimme wirkt mittig im Kopf, unabhängig vom Sitzplatz
Soundbar ohne Center über die linke und rechte Seite der Soundbar ähnlich wie beim Fernseher, oft mit vollerem Klang
Soundbar mit Center über einen eigenen Lautsprecher in der Mitte feste Mitte, oft getrennt einstellbar
Heimkino mit Center-Lautsprecher über einen eigenen Lautsprecher über oder unter dem Bild Stimme für alle Sitzplätze beim Bild, getrennt einstellbar

Je nach Wiedergabe des Center-Kanals, hat dies Folgen für die Stimmausgabe.

Soundbars mit Center-Lautsprecher

Soundbars mit der Angabe 3.1 oder höher haben in der Regel einen eigenen Lautsprecher für den Center-Kanal. Bei Modellen mit 2.0 oder 2.1 entsteht die Mitte wie beim Fernseher aus zwei Seiten.

Der Center-Lautsprecher einer Soundbar sitzt direkt unter dem Bild und damit an einer günstigen Position für die Wiedergabe von Stimmen. Da die übrigen Lautsprecher in der Soundbar jedoch nah daneben liegen, ist der Unterschied zu einer Phantommitte geringer als bei einer Heimkinoanlage mit weit auseinanderstehenden Lautsprechern.

Der Center-Lautsprecher im Heimkino

In einer Heimkinoanlage steht der Center-Lautsprecher zwischen den beiden Frontlautsprechern, meist direkt über oder unter dem Bild. Da an dieser Stelle wenig Platz ist, sind Center-Lautsprecher häufig liegend gebaut, also breiter als hoch. Steht er niedrig, etwa auf einem Lowboard, sollte er leicht nach oben auf Kopfhöhe der Zuschauer ausgerichtet werden.

Klanglich sollte der Center-Lautsprecher zu den Frontlautsprechern passen, damit sich eine Stimme nicht verändert, wenn sie von der Mitte zur Seite wandert. Außerdem sollte er nicht tief in einem Regalfach stehen, da sonst die Verständlichkeit der Stimmen leidet.

Einstellung des Centers

Ist ein Center-Lautsprecher vorhanden, lässt sich seine Lautstärke meist getrennt einstellen. Das ist ein direkter Weg, um Stimmen hervorzuheben. Die Einstellung hat allerdings Grenzen und wirkt bei Stereosendungen nur eingeschränkt.

Pegel des Centers

Am AV-Receiver und an vielen Soundbars mit eigenem Center-Lautsprecher lässt sich die Lautstärke des Center-Kanals getrennt regeln. Eine automatische Einmessung stellt zunächst alle Kanäle auf die gleiche Lautstärke ein. Anschließend kann man den Center in kleinen Schritten anheben, bis die Stimmen deutlicher vor Musik und Effekten stehen.

Zum Testen eignet sich eine Szene mit viel Dialog und gleichzeitig lebhaftem Hintergrundton. Bleiben die übrigen Kanäle unverändert, ist der Unterschied schnell zu hören.

Grenzen der Anhebung

Wird der Center zu stark angehoben, werden nicht nur die Stimmen lauter, sondern auch Musik und Geräusche, die auf diesem Kanal liegen. Ein TV-Sprachverstärker wie OSKAR verfolgt einen anderen Ansatz. Statt einfach einen ganzen Kanal lauter zu machen, werden die Sprachanteile gezielt hervorgehoben und näher an den Hörplatz gebracht.

Der Center bei Stereosendungen

Bei einer Stereosendung erhält der Center-Lautsprecher zunächst kein eigenes Signal. Er gibt nur dann etwas wieder, wenn das Gerät aus den beiden Stereokanälen eine Mitte errechnet. Welche Anteile dabei im Center landen, bestimmt dieses Verfahren. Der Regler legt anschließend nur fest, wie laut diese errechnete Mitte wiedergegeben wird.

Häufig gestellte Fragen

Der Begriff taucht vor allem in den Toneinstellungen auf. An einer Anlage oder Soundbar gibt es häufig einen eigenen Pegel für den Center. Bei der Einrichtung eines AV-Receivers wird zudem abgefragt, ob ein Center-Lautsprecher angeschlossen ist. Beim Pegel ist der Kanal gemeint, bei der Einrichtung dagegen der Lautsprecher, der ihn wiedergibt. Der Fernseher selbst hat dafür normalerweise keinen eigenen Lautsprecher.

Nein, einen Center-Kanal gibt es in der Regel nur bei Fassungen in Mehrkanalton wie 5.1 oder 7.1. Viele Filme und Serien sind sowohl in Mehrkanalton als auch in Stereo verfügbar. Welche Fassung wiedergegeben wird, hängt vom Anbieter, von der gewählten Tonspur und von den Geräteeinstellungen ab. Bei der Stereofassung gibt es keinen eigenen Center-Kanal.

Viele Fernseher, Player und Streaming-Apps zeigen das Tonformat der laufenden Sendung an, etwa über die Info-Taste oder im Menü für die Tonspur. Die Angabe 5.1 oder höher bedeutet, dass ein Center-Kanal enthalten ist. Bei 2.0 oder Stereo gibt es nur einen linken und einen rechten Kanal. AV-Receiver zeigen häufig auch im Display an, welche Kanäle gerade belegt sind.

In der Regel nicht, da Fernseher keinen Ausgang für einzelne Kanäle haben. Sie geben den Mehrkanalton stattdessen digital weiter, zum Beispiel über HDMI ARC oder den optischen Ausgang. Ein AV-Receiver teilt das Signal anschließend wieder in die einzelnen Kanäle auf. Dort wird auch der Center-Lautsprecher angeschlossen. Soundbars mit eigenem Center haben diesen bereits eingebaut.

Häufig läuft gerade eine Stereosendung, die keinen Center-Kanal enthält. Auch eine Einstellung, die den Ton nur auf zwei Kanälen ausgibt, kann den Center stumm schalten. In manchen Fällen ist der Pegel des Centers nach der Einrichtung zu niedrig eingestellt. Ein Test mit einer Sendung in 5.1 zeigt meist schnell, woran es liegt.