TV Hörlösungen für den Fernseher

Auracast erklärt

Von Faller Audio Redaktion | | 4 Min. Lesezeit
Abstrakte Wellen als Symbol für Signal

Auracast ist eine Bluetooth-Funktion, bei der ein Gerät Ton an beliebig viele Empfänger gleichzeitig sendet, ohne dass dafür irgendetwas gekoppelt werden müsste.

Am Fernseher können dadurch mehrere Personen denselben Ton über eigene Kopfhörer hören, jede mit ihrer jeweils eigenen individuellen Lautstärke.

Die Idee hinter Auracast

Klassisches Bluetooth-Audio nutzt meist eine direkte Verbindung zwischen Quelle und Empfänger, also Kopfhörer zu Fernseher oder Lautsprecher zu Handy. Auracast arbeitet anders und sendet an viele Empfänger gleichzeitig, ähnlich wie ein kleiner Radiosender im Raum. Definiert hat diese Funktion die Bluetooth SIG, das Gremium hinter dem Standard.

Ein Sender, viele Empfänger

Der Sender schickt den Ton einfach in die Umgebung, ohne zu wissen, wer zuhört. Wie viele Geräte den Stream aufnehmen, spielt für ihn keine Rolle. Das können zwei Kopfhörer im Wohnzimmer sein oder hundert im Kinosaal. Für den Sender ändert sich dadurch nichts.

Technisch baut Auracast auf Bluetooth LE Audio auf und nutzt unter anderem den LC3-Codec.

Ohne Kopplung

Man sucht den Stream, statt sich zu verbinden. Beim Finden und Auswählen hilft meist das Handy, auf dem eine Liste der Sender in Reichweite erscheint, manchmal führt auch ein QR-Code direkt zum richtigen. Der Audiostream läuft danach direkt zum Kopfhörer.

Private Streams lassen sich mit einem Zahlencode schützen. Ohne diesen Code taucht der Sender zwar in der Liste auf, hören lässt er sich aber nicht.

Auracast am Fernseher

Für das Wohnzimmer ist vor allem eine Eigenschaft interessant. Bisher konnte immer nur ein Kopfhörer am Fernseher hängen, bei manchen Geräten auch zwei. Mit Auracast entfällt diese Grenze.

Voraussetzungen am Fernseher

Damit ein Fernseher senden kann, reicht Bluetooth allein nicht aus, sondern es müssen drei Dinge passend zusammenkommen.

  • Bluetooth in der Version 5.2 oder neuer als technische Grundlage, weil LE Audio darauf aufsetzt.
  • Die tatsächliche Unterstützung für Auracast im Gerät, die mit der Bluetooth-Version allein nicht gegeben ist.
  • Ein Empfänger, der ebenfalls Auracast beherrscht, weil ältere Kopfhörer den Stream nicht aufnehmen können.

Ob ein Fernseher die Funktion hat, steht in der Beschreibung des Geräts unter Bluetooth oder im Tonmenü unter den Ausgabegeräten. Wichtig ist der ausdrückliche Hinweis auf Auracast.

Sender zum Nachrüsten

Wenn der Fernseher die Funktion nicht abbilden kann, helfen kleine Zusatzgeräte. Sie nehmen den Ton an einem Audioausgang des Fernsehers ab und geben ihn als Auracast-Stream weiter. Welcher Ausgang dafür in Frage kommt, unterscheidet sich je nach Sender. Üblich sind der optische Ausgang, die Kopfhörerbuchse und USB. Strom ziehen diese Geräte meist ebenfalls über USB.

Mehrere Personen, eine Sendung

Der praktisch größte Nutzen zeigt sich, wenn zwei Menschen unterschiedlich laut hören möchten. Beide nehmen ihren eigenen Kopfhörer und stellen die Lautstärke getrennt ein. Ob die Lautsprecher des Fernsehers dabei auch weiterlaufen, ist gerätespezifisch unterschiedlich. Genau das ist der Aspekt, an dem Auracast sich von der gewohnten Kopplung unterscheidet, weil dort der Ton an einer einzigen Verbindung hängt und zwischen den Nutzern hin und her geschoben werden muss.

Auracast außerhalb der Wohnung

Auracast ist außerhalb der eigenen Wohnung beim Fernsehen vor allem für Räume gedacht, in denen viele Menschen gleichzeitig etwas hören sollen. Am Flughafen oder in einem Hörsaal funktioniert eine einzelne Kopplung nicht. Dort zeigt Auracast aber, wofür die Funktion gedacht ist.

Durchsagen und stumme Bildschirme

Am Flughafen oder im Bahnhof lassen sich Durchsagen direkt auf den eigenen Kopfhörer legen, ohne dass sie im ganzen Gebäude präsent sein müssen. In Fitnessstudios und Wartebereichen hängen oft Bildschirme ohne Ton, deren Programm man auf diesem Weg trotzdem hören kann. Mehrere Streams nebeneinander sind dabei möglich.

Hörunterstützung in öffentlichen Räumen

In Kirchen, Theatern und Vortragsräumen übertragen bislang häufig Induktionsschleifen im Boden den Ton an Hörgeräte. Ihre Installation ist aufwendig und in alten Gebäuden schwierig. Auracast kommt als zusätzliche oder alternative Lösung in Frage und braucht dafür kein Kabel im Boden. Bestehende Anlagen ersetzt es nicht automatisch, beide Systeme können aber nebeneinander laufen.

Verbreitung und Grenzen

Die Zahl kompatibler Geräte wächst, im Alltag begegnet einem Auracast aber noch selten. Das liegt weniger am Verfahren als an der Ausstattung. Sender und Empfänger müssen beide Funktional mitspielen.

Verfügbarkeit der Geräte

Bei Kopfhörern und Hörgeräten nimmt die Zahl der Modelle deutlich zu, bei Fernsehern geht es deutlich langsamer voran. Wer heute einen Fernseher kauft und Auracast damit nutzen möchte, sollte auch gezielt nach Auracast suchen und sich nicht auf die Angabe zur Bluetooth-Version verlassen.

Reichweite und Tonqualität

Wie weit ein Stream trägt, hängt stark vom Sender und von der Umgebung ab. Im Freien kommt man weiter als in einem Gebäude, wo Wände und Decken den Empfang bremsen. Für die Tonqualität gilt, dass der Betreiber eines öffentlichen Senders die Einstellungen festlegt, weshalb sich die Streams auch unterschiedlich anhören können.

Häufig gestellte Fragen

Auracast ist eine Funktion des Bluetooth-Standards, mit der ein Gerät Ton an beliebig viele Empfänger zugleich sendet. Anders als beim gewohnten Bluetooth wird dabei nichts gekoppelt, sondern der Stream aus einer Liste ausgewählt. Als Sender kommen Fernseher, Handys und Anlagen in öffentlichen Gebäuden in Frage, als Empfänger Kopfhörer, Lautsprecher und Hörgeräte. Grundlage ist Bluetooth LE Audio.

In den meisten Fällen ja. Ältere Bluetooth-Kopfhörer können den Stream nicht aufnehmen, weil ihnen die passende Hardware fehlt. Bei neueren Modellen kommt die Funktion gelegentlich per Update dazu, sofern der Funkchip sie hergibt. Auf der Verpackung steht in diesem Fall Auracast oder LE Audio ausdrücklich dabei.

Eine feste Obergrenze gibt es nicht, weil der Sender den Ton in die Umgebung schickt und nicht einzelne Verbindungen verwaltet. Ob zwei oder zweihundert Geräte zuhören, ändert für ihn nichts. Begrenzt wird die Zahl praktisch nur durch die Reichweite. Genau darin liegt der Unterschied zur gewohnten Kopplung, bei der ein Sender meist ein oder zwei Geräte bedient.

Direkt nicht, aber mit einem Zusatzgerät. Es wird an einen freien Audioausgang gehängt und übernimmt das Senden für den Fernseher. Wichtig ist dabei, dass der passende Ausgang überhaupt vorhanden ist, weil sehr alte Geräte teilweise nur Cinch bieten. Die Kopfhörer brauchen die Funktion unabhängig davon.

Offene Broadcasts kann jedes Gerät in Reichweite empfangen, und genau so ist es bei Durchsagen oder im Wartebereich gedacht. Wer nicht möchte, dass jeder mithört, greift zum verschlüsselten Broadcast-Code. Ob ein Gerät das anbietet, steht in der Anleitung unter Bluetooth oder Auracast. Bei Zusatzgeräten zum Nachrüsten unterscheidet sich das je nach Modell erheblich.